Das Führungszeugnis

Das Führungszeugnis

Ich arbeite jetzt. So richtig offiziell, mit Vertrag und allem drum und dran. Natürlich ist auch das wieder ein Akt, der mit vielen administrativen Tätigkeiten verbunden ist und so kann ich an dieser Stelle mal wieder von einem abwechslungsreichen Amtsgang berichten.

In Deutschland ist es anscheinend normal, dass man zusammen mit vielen anderen Unterlagen vor Abschluss des Arbeitsvertrages ein sogenanntes Führungszeugnis vorweisen muss. Ja! Ob ich straffällig war, möchte mein neuer Arbeitgeber wissen. Irgendwie komme ich mir schon verdächtig vor, weil ich sowas nachweisen muss. In der Schweiz wäre das ein Auszug aus dem Strafregister. Jösses Gott.

Selbstverständlich versuche ich das Ganze online zu ordern. Aber das geht nicht, weil ich keinen Deutschen Personalausweis habe. Dann werde ich halt kurz vorbei gehen. Määääph! Falsch. Das bringt's nicht. Ist nur für Terminkunden. Ok, also klicke ich mich mal durch sämtliche Ämter, in der Hoffnung in der Nähe von zuhause oder vom Arbeitsplatz ein Bürgeramt zu finden, bei dem ich mein Führungszeugnis abholen kann. Es ist hoffnunglos. Alle Termine sind bis Ende Jahr ausgebucht. Ich ändere den Suchmodus auf Berlinweit. Am 19. Dezember gäbe es einen freien Termin. Um 15:45 Uhr im Bürgeramt Rathaus Reinickendorf. Naja, gut, dann nehm ich halt den.

Mein liebes Gegenüber im Büro kriegt meine Not mit und meint, sie schaue mal mit einer Freundin, die beim Amt arbeitet, ob sich da was machen liesse. Und tatsächlich. Hallelujah! Dank Berliner-Connections habe ich einen Termin bekommen. 11:30 Uhr, Bürgeramt Lichtenrade.

Zwei Tage später:

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Nun sitze ich in der S2 in Richtung Lichtenrade. Meine BVG App zeigt mir rund 55 Minuten Wegzeit an. Wenn alles glatt läuft. Ich steige aus und bin irgendwo im Niemandsland. Endstation. Aber es ist noch immer Berlin. Laut Wikipedia ist es der südlichste Ortsteil des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg und neben Schmöckwitz (kein Witz) der südlichste Teil Berlins.

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Ich frage eine junge Frau nach dem Weg, sie ist sehr höflich und weiss genau wo ich hin muss. Es sind vorwiegend alte und rauchende Menschen, die mir auf den 150 Metern zum Amt begegnen. Als ich ankomme ist der Warteraum voll. Das übliche Bild vom Berliner Amt. Tja. Obwohl ich schon eine Vorgangsnummer habe, frage ich am Empfang, wie ich vorgehen muss. Man weiss ja nie. Ach Sie sind's. Wegen dem Führungszeungnis. Ok. Ich strecke ihr meinen Personalausweis entgegen. Sie nickt freundlich, tippt was ein, fragt nach meiner Adresse und schickt mich in den Raum 10 um dort 13 Euro zu bezahlen. Geht ja alles ganz fix. 

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Mit dem Beleg kehre ich zum Empfang zurück und möchte mein Führungszeugnis entgegen nehmen. Die Dame lächelt freundlich. Nein, nein. Das kriegen sie erst in etwa 14 Tagen per Post zugeschickt. Das wird in Bonn ausgestellt. Ok. Danke und auf Wiedersehen. Etwas irritiert verlasse ich das Gebäude und spaziere zum Bahnhof zurück. 

Ich entdecke Sisha-Pfeifen im Schaufenster des Kiosks. Was es hier im Süden nicht alles gibt.

Ich entdecke Sisha-Pfeifen im Schaufenster des Kiosks. Was es hier im Süden nicht alles gibt.

Mein Aufenthalt am Berliner Südpol dauerte eine knappe Stunde. Schon fahre ich wieder in Richtung Norden. Heute habe ich zwei Rekorde gebrochen. Den für den kürzesten Amtsbesuch und für den längsten Anfahrtsweg. Gekostet hat mich das Ganze 13 Euro und einen halben Tag.

Ich komme mit leeren Händen ins Büro zurück. Ist nicht schlimm. Berlin halt. 

P.S. Anscheinend wissen die Arbeitgeber, dass das ne Weile dauern kann. Es darf auch nach gereicht werden.

 

 

 

Herr Nilsson Godis

Herr Nilsson Godis

Maus fliegt solo

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