Ich bin jetzt eine Working Mum

Ich bin jetzt eine Working Mum

Seit zwei Wochen bin ich eine sogenannte Working Mum. Irgendwie finde ich das ein seltsamer Ausdruck. Ich meine, bei den Vätern sagt man ja auch nicht, er ist ein Working Dad. (Klingt irgendwie wie walking dead). Mir kommt's auf jeden Fall so vor, als ob die meisten immer noch davon ausgehen, dass es total normal ist, wenn der Vater/Mann arbeitet. Und wenn dann die Mutter/Frau einen Job hat, dann ist sie plötzlich eine arbeitende Mutter. 

Irgendwie noch verwerflicher, wenn man es dann noch so betonen muss. Weil. Eine Mutter hat ja eigentlich schon einen Job. Eltern sein ist für sich ein Job. Da sind die Väter nicht ausgeschlossen. Naja. Wie dem auch sei. Ich möchte da jetzt keine Grundsatzdiskussion anfangen. Es ist nun mal so. Ich bin jetzt auch Member bei den WM. Und dazu noch in Berlin.

Konkret heisst das für mich: Raus aus der Komfortzone, jeden Tag ein neues Outfit, frisch gewaschene Haare und Wimperntusche. Zudem ein durchgetakteter Tag mit fixen Zeiten, wann die Kinder zu bringen und zu holen sind. Viel Organisation und Vorbereitung mit Schulranzen und Vesperbüchsen, Kleider für die Kinder bereit legen und neben bei noch aufräumen und Wäsche machen. Natürlich machen wir das zusammen. Logo! Mein lieber Ehemann und ich. Und bis jetzt noch ohne Putzhilfe und Babysitter.

Dennoch bin ich die, die die Kinder abholt, heisst, ich bin auch die, die pünktlich aus dem Büro gehen MUSS. ABER wenn ich dann Maus und Mips wieder sehe, geniesse ich es umso mehr! 

Das ins Büro fahren ist für mich Erholung, obwohl ich dicht gedrängt an zig andere Menschen, in der überfüllten Strassenbahn stehe. Ich höre mir in Ruhe Podcasts an, zum Beispiel 100 Sekunden Wissen von SRF oder schaue auf ZDFneo Schulz und Böhmermann, die mich entweder zum Lachen oder fast zum Weinen bringen. Ich bin eine von tausenden pendelnden anonymen Ameisen rund um den Alexanderplatz. Eine AAA. 

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Die Zeiten sind auch vorbei, an denen ich ehrfürchtig zum Alexanderturm empor geblickt habe und mir sein Anblick einen Gänsehaut-Wow-Moment verschafft hat, der eindeutig der Beweis war, dass ich tatsächlich in echt! in Berlin bin. Und auch die Momente, in denen ich mich ertappt habe, wie ich die Uhrzeit vom Turm ablesen wollte. Sorry, Macht der Gewohnheit. In der Schweiz gibt’s so viele Kirchen und Uhren. Hier kann man von Glück reden, wenn man mal eine öffentliche Uhr erblickt, die nicht gerade stehen geblieben oder um Stunden verstellt ist. Oder bei der sogar die Zeiger fehlen. (Geklaut?).

Büro heisst für mich Willkommen bei den Erwachsenen! Kaffee trinken, seriöse E-Mails schreiben, ernsthafte Anliegen bearbeiten, verloren gegangene Kühlschränke suchen, hippe Magazine ordern und ordnen und wenn man mal nett unterbrochen wird, dann sicher nicht von jemandem, der einem am Ärmel reisst oder sich die triefende Nase an meinem Bein abstreift, so dass es aussieht, als wäre eine Nacktschnecke drüber gekrochen. Ich sag's ungern, aber Arbeiten tut wahnsinnig gut. Was früher ein Städtetrip war ist heute mein Gang ins Büro. (Ich übertreibe natürlich).

Ach so, was ich mache? Genau. Ich mache eine Elternzeitvertretung im Büro meines Mannes. Das bedeutet, dass ich jetzt mal für zehn Monate eine richtige Stelle habe. Ja. Und wir sitzen uns sogar quer gegenüber. Ehemann und Ehefrau auf derselben Büroinsel. Ein Experiment. Aber hey, ich finde es bis jetzt super. Andere stellen sich Bilder von ihren Familienmitgliedern auf ihren Schreibtisch und ich brauche bloss meinen Blick zu heben und schon ist er da. Tataatataaaa. Mein Hubby. 

Ob wir das aushalten? Klar. Wir geniessen das. Wo sollen wir sonst so viel extra Zweisamkeit her holen. Naja, meistens sind da ja noch die Kollegen mit dabei, aber es ist ein guter Anfang.

Unser Weg zur Gleichstellung. Working Mum und Dad. Und das Beste ist, wir müssen gewisse Organisations-Diskussionen nicht auf den Abend verschieben. Sprich: Wir haben so mehr Quality Time. Ach, dieses Englisch überall. Wir sind so international. Klar, wir sind ja auch in Berlin. Und drum gibt's hier noch ein Lied von Valeska (BOY), die die Coolheit Berlin's besingt. Sie ist übrigens auch eine Schweizerin. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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