Verdächtig

Verdächtig

Unser Neustart in Berlin hat unter anderem auch neue Einkaufsgewohnheiten mit sich gebracht. Zum Beispiel den Luxus bis Mitternacht gleich um die Ecke bei Kaisers einkaufen zu gehen. Es fühlt sich dann ein wenig an, wie ausgehen. Mit Disocobeleuchtung und lauter Musik. Aber das habe ich hier auch schon erwähnt.

Wenn's nur darum geht, schnell ein Bier oder einen Liter Milch zu holen, haben wir's noch bequemer. Bei uns unten gibt's einen sogenannten Späti.

Ein Spätkauf ist etwas sehr typisches für Berlin. Man sagt, sie sind ein Teil der Berliner Kultur und kaum wegzudenken. Unser Späti (wie vermutlich viele andere auch) ist das Herz der Strasse. Ziemlich abgerockt, mit Rasenteppich und ner Rampe. Barrierefrei. Aber ich habe mich schon immer gefragt, wie man da wieder rauskommt, wenn man mal reingefahren ist. Denn. Er ist pumpenvoll mit allem möglichen. 

Der Späti ist eine Art Kiosk, aber noch viel mehr. Es gibt alles notwendige, was man so im Leben braucht, wenn alle anderen Läden geschlossen haben. Milch, Kaffee, Alkohol, Snacks, Magazine und ganz hundskomunes Eis am Stil. Ich kann auch Pakete verschicken oder welche da abholen. Der Ladenführer (Geschäftsführer passt beim Späti nicht) organisiert auf Wunsch Parisienne  oder meine Lieblingsharibos. Er hat einen grossen Hund und manchmal stinkt auch der Laden entsprechend. Macht nichts. Wenn's nicht gerade regnet oder schneit, stellt er seine paar Klapptische und Bänke vor dem Laden auf und da sitzen dann immer die gleichen paar Nasen mit Freakshow Charakter. Es sind alle nett und man nickt sich zu.

Was mich anfangs beim Einkaufen total irritiert hat, war die Tatsache, dass man so durchgecheckt wurde. Schon auf dem Einkaufskorb steht in dicken, schwarzen Buchstaben: GEKLAUT BEI KAISERS. Ok, ist ja gut! Ich nehme ihn nicht mit.

Weil wir nicht zum Typ Grosseinkauf am Samstagvormittag gehören, kaufe ich oder der Mann alle paar Tage in Raten ein. Dabei habe ich gelernt, dass ich hier einen prüfenden Blick auf die Waren richten muss , die ich in den Einkaufswagen lege.

Weil ich das am Anfang nie gemacht habe, hatten wir immer mal wieder halb verfaultes Obst oder Gemüse oder kaputte Eier. Man ist in der Schweiz aber auch wirklch total verwöhnt! Da kann man an den meisten Orten blindlings einkaufen.

Hat man hier dann mal das Gemüse im Körbchen, wägt das die Kassiererin ab. Vermutlich auch, weil es schon öfters zu Missbrauch der Wage gekommen ist. Natürlich falle ich da jetzt regelmässig drauf rein, wenn ich in der Schweiz bin. Ich vergesse konstant, Obst und Gemüse abzuwägen. Jänu.

Manche Kaffeebohnen sind hier hinter Schloss und Riegel, wie bei uns der hochprozentige Alkohol oder die Rasierklingen (hier natürlich auch). Dann geht's darum jemanden zu finden, der den Schlüssel hat. Ich habe schon oft keinen Kaffee gekauft, weil es mir zu mühsam war, jemanden aufzuspüren oder bei der Arbeit zu stören... Hä? Wat wollnse? Und einmal, als ich mit Kaffee in der Tasche einkaufen gehen wollte, hat mich der Securitas Mann rausgenommen und ich musste mir den mitgebrachten Kaffee markieren lassen, weil ich sonst Probleme bekäme.

Aprops Kasse. Dort ist dann der Höhepunkt vom verdächtigt sein. Gerade mit Kinderwagen und Einkaufskorb. Erst nach ein paar Mal habe ich es dann auch geschnallt, wieso die Kassiererin nach dem Grüssen nach oben kuckt. Das ist der Sicherheits-Check, ob man ihr nicht irgendwas vorenthält. Es gibt dafür einen extra Spiegel an der Decke.

Ich muss zudem regelmässig den Wagen frei machen, um zu beweisen, dass ich nichts geklaut habe. Und das ist manchmal eine ganze Menge, die ich dann für die Kontrolle unter meine Arme klemme: Stofftiere, Zeichnungen, angefressene Brötchen, halb leere Quetschies oder Trinkflaschen. Bei Lidl ist es sogar so, dass die Kassiererin aufsteht, um in den Einkaufswagen zu kucken, ob da auch wirklich nichts mehr drin ist.

In der Schweiz kenne ich sowas höchstens vom Flughafen, bei der Sicherheitskontrolle. Aber wie ich mittlerweile auch gelernt habe, wird hier wirklich alles geklaut, was nicht niet und nagelfest ist. Meine Coiffeuse hatte mir mal erzählt, dass bei ihr im Haus das Treppengeländer durchgesägt worden ist, damit jemand einen angeketteten Kinderwagen klauen konnte.

Hey, aber um das hier mit was positivem abzuschliessen; Es gibt eine Süsswarenfreie Kasse!

P.S. Ich habe immer Kassiererin geschrieben. Natürlich arbeiten auch Männer an der Kasse. Weil's schon spät ist, lasse ich es jetzt mal so stehen.

Verknallt in Mokuyobi

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