Der ganz normale Wahnsinn

Der ganz normale Wahnsinn

Es ist schon wieder Samstag. Und seit knapp einem Monat ist Hoi Berlin online und ich nenn mich eine Working Mum. Ich geb’s zu. Ich bin fix und fertig. Bei uns zuhause sieht es aus wie Sau und ich passe nicht mehr in meine Hose rein. Ich bin leider Gottes eine von diesen Menschen, die bei Stress zu und nicht abnimmt. Leider. Eigentlich wäre das Ganze auch nicht so ne Hexerei, aber ausgerechnet letzte Woche wurde Mips krank und ich musste auch noch mit Schrecken feststellen,  dass sie Würmer hatte. Igitt. 

Da ich eh schon unter latenter Übelkeit litt, gab mir das noch den Rest und ich lag ebenfalls mit Fieber und Erbrechen zwei Tage flach. Der Mann musste dann gezwungenermassen Homeoffice machen und sich nebenbei um uns kümmern.  Als dann Maus noch von der Schule nach Hause kam und sagte, bei ihr in der Schule sei Läusealarm, dachte ich bekomme Vögel! Die könnten dann wenigstens die Würmer und Läuse auffressen. Ha, ha. Aber fertig mit diesen Wortspinnereien.

Maus war läusefrei und Mips innerhalb eines Tages entwurmt. Und den Vogel behalte ich so lange bis ihn die Katze erwischt. Aber das wird nicht passieren, weil sie nicht weiss, wie das geht. Tja. So ist das. Ich kann damit leben.

Ich sitze an unserem grossen Wohnzimmertisch und stelle gerade fest, dass die Bäume keine Blätter mehr haben. Das Licht ist klar und hell, aber es ist arschkalt draussen. So kalt, dass es fahrlässig ist, keine Mütze und keine Handschuhe zu tragen.

Gestern war ich mit Mips beim Arzt. Impfen. Deshalb auch später unterwegs wie sonst. Ich ging noch kurz bei Saturn vobei, um mir für mein neues Diensthandy (das nennt man hier so), eine bruchsichere Hülle zu kaufen. Ich möchte das ja dann wohlbehalten wieder retournieren, wenn’s soweit ist. Vor mir an der Kasse kaufte sich ein Bauarbeiter in einer neongelben Schutzweste die komplette Superbox in Pink von Miami Vice. Geile Farbkombo, dachte ich.

In der S-Bahn stiegen beim Hackeschen Markt die Zigeuner (politisch unkorrekt, aber wie soll ich sonst sagen?) ein und spielten innerhalb einer Station When The Saints... Es sind immer dieselben Gesichter. Ich kenn die noch von früher. Sie sind auch älter geworden. Das Lied ist immer das gleiche aber ihre Technik hat sich verbessert. Früher waren sie noch analog mit Ziehharmonika, heute sind sie mit Mikro, Verstärker und zusätzlichem Sound unterwegs.

Anhand der Reaktionen kann man Einheimische oder Zugezogene wie ich eine bin von den Touristen unterscheiden. Die ersteren starren vor sich hin und die Touris feiern einen ab und geben viel zu viele Kröten ins Zigeuner-Kässeli.

Ich hörte Oli und Jan (Fest und Flauschig Podcast) zu, die gerade über ihren unglaublichen Lachanfall der letzten Sendung sprachen. Sah die Zigeuner aussteigen und mit ihnen When the Saints.. Eigentlich war ich sowieso nicht wirklich bei der Sache. Ich dachte daran, dass heute meine Top11 für Zürich auf Mit Vergnügen veröffentlicht wurden. Und ich freute mich darauf. Draussen zog das graue, kalte Berlin an mir vorbei und ich war einfach glücklich.

Ich bin auf dem richtigen Weg dachte ich, mache das was ich liebe nämlich schreiben und freue mich auf das Wochenende. Ich hatte mir überlegt, wie sich dieser Glücksmoment anfühlt. Ein Kribbeln im Bauch so wie wenn man frisch verliebt ist, aber irgendwie anders. Vielleicht so wie wenn man eine Flasche Sinalco öffnet. Also genau der Moment, wo der Deckel wegzischt. So irgendwie.

Gestern Abend schrieb ich noch meiner Freundin Nelly in Zürich, wieso sie denn eigentlich nicht auf meinen Anruf reagiert hätte. Ich hatte ihr extra auf die Mobilbox gesprochen. - Das habe ich mir angewöhnt, weil die Leute sonst immer denken, ich sei ein Deutscher Weinverkäufer, wenn sie meine Nummer nicht gespeichert haben.

Welchen Anruf, schrieb sie umgehend. Und sie hätte eben eine neue Nummer. Ach du grüne Neune! Ich hatte Nelly auf die Mobilbox gesungen. Wir haben nämlich ein Lied von ihrer Musigzwergli CD so abgewandelt, dass wir nun mit Mips Zähne putzen können. Statt d’Söcke sind wäg, singen wir d’ Zahtüüfeli müend wäg... (Die Socken sind weg, die Zahnteufelchen müssen weg).

Sehr effizient im übrigen. Es funktioniert. Dann habe ich ihr noch über irgendwelches Online Marketing Zeugs erzählt... Tja. Ich hoffe, die falsch angerufene Person hat sich darüber amüsiert. Funfact: Zwei Stunden später hatte ich eine Nachricht für einen mir unbekannten Günther auf der Mobilbox meines neuen Diensthandys. Sprich. Ich habe Günthers Telefon übernommen. Das kann ja heiter werden.

So. Wieder zurück in die Gegenwart. Meine Füsse sind kalt, Mips schläft und Mann und Maus sind im Kletterkurs. Ich bin gespannt, wie sie’s finden. Unser Nachbar, ein Komponist spielt mal wieder Klavier. Vermutlich ist es ihm nicht bewusst, dass er unsichtbares Publikum im Haus hat.

Ich geniesse die Ruhe und das Konzert und lasse dazu noch ein wenig meine Tasten klappern.

Ausflug zum Baumkronenpfad

Ausflug zum Baumkronenpfad

Korean Food Stories

Korean Food Stories