Katzenjammer

Katzenjammer

Wir sind am Arsch. Noch zwei Tage bis Weihnachten und wir haben noch immer niemanden, der sich um die Katze kümmert. Eine Bekannte von mir hat mir zu-und dann wieder abgesagt. Knapp eine Woche bevor wir fahren wollten. Und das bereits zum zweiten Mal. Naja, kann vorkommen. Aber müssen wir jetzt hier bleiben? Weihnachten sausen lassen?

Ganz Berlin scheint über Weihnachten „nach Hause“ zu fahren. Wie wir auch. Da sieht man’s wieder, wie viele Leute eben nicht wirklich von hier sind. Ich telefoniere verzweifelt alle in Frage kommenden ab. Schreibe SMSen bis mir die Finger glühen. Ein Korb am anderen. Die einen haben entweder eine Katzenallergie (wirklich, so viele?), panische Angst vor Katzen (echt?), Besuch (schön, geniesst es) oder sind kurz vor einem Nervenzusammenbruch (wer nicht?).

Die Versorgung der Katze ist jedes Mal eine Herausforderung und das, was mich am meisten stresst. Nebst Wohnung putzen, packen und das Ganze drumherum erledigen (also eigentlich ist die Katze das Ganze drumherum).

Wir haben es bisher immer so gemacht, dass wir jemanden für die Wohnung gesucht hatten, der sich eine nette Zeit in Berlin machen konnte und neben bei die Katze füttert und ihr Klo putzt. In den meisten Fällen hatte das prima geklappt und die Katze war happy und die Wohnung immer im tip toppen Zustand, wenn wir wieder gekommen sind.

Leider mussten wir diesen Sommer eine sehr schlechte Erfahrung machen. Wir haben eine Freundesfreundin bei uns wohnen lassen. 

Als wir aus dem Urlaub nach Hause kamen, war die Wohnung nicht geputzt, viele Pflanzen waren vertrocknet, ihre schmutzige Bettwäsche hat sie vor die Waschmaschine gelegt und ihren Müll hatte sie auch nicht weggebracht. Und auf dem Parkett waren irgendwelche Ölflecken, die wir nicht mehr rausgebracht haben. Aber hey, der Katze gings gut! Aber was war der Preis dafür?!

Auf dem Wohnzimmertisch lag ein Zettel mit ner Nachricht und einem 20 Euroschein. Danke, dass ich hier crashen durfte. Das gab uns den Rest.

Natürlich war sie danach telefonisch nicht mehr erreichbar und auch auf meine Mails hat sie nicht reagiert. Blöderweise ist sie in dieselbe Strasse gezogen und muss jetzt mit ihrem schlechten Gewissen immer einen ganz grossen Bogen um uns herum machen. Die arme!

Aber zurück zu unserem eigentlichen vorweihnachtlichen Problem. Die Katzenbetreuung.

Für die beiden Weihnachtstage finde ich den hilfsbereiten Papi von Minas neuer Freundin aus ihrer Klasse. Klasse! Da sind aber noch weitere sieben Tage offen.

Mein Mann telefoniert alle Katzenhotels in Berlin durch. Die lachen ihn nur aus. Dieses Mal nicht, weil er einen Schweizer Akzent hat, sondern weil die schon seit zwei Monaten ausgebucht sind. Zudem fehlt Frau Büsensen eine Impfung  gegen Katzenschnupfen. Wir bestellen über Amazon und mit Express Zuschlag von 15 Euro eine Tierfutterstation. Die soll ein Tier über 92 Stunden bewirtschaften. Mit Kühlelementen und allem drum herum.

Also unser Notfallplan steht. Wir suchen eine Person, die Frau Büsensen zwei Mal besuchen kommt, das Katzenklo macht und die Fress Station auffüllt. (Sorry lieber Tierschutz, aber was sollen wir machen?).

Bis jetzt ist mir noch keine Katzenbegeisterte Person in Berlin begegnet, niemand, der sich bis jetzt auf Frau Büsensen gestürzt hat und sich über sie gefreut hat. Katzen gibt’s in meiner Berlierwelt nur bei mir zuhause oder auf Vermisstmeldungen, die an Strassenlaternen geheftet sind.

Noch einen Tag, bevor wir in die Schweiz fahren. Ich schreibe nochmals unserer Whats-App Gruppe vom Haus. Das Resultat: Keine Reaktion oder Absagen. Ich biete leckeren Wein als Entlöhnung. 

In meiner Verzweiflung haue ich eine mir sehr sympathisch wirkende Frau auf der Stasse an. Sie hat drei Kinder und ich Skrupel, sie zu fragen. Aber sie ist meine letzte Hoffnung. Wir sehen uns jeden Tag beim Kinder bringen oder holen und sprechen dann kurz miteinander. Ich kenne nicht mal ihren Namen, aber das ist egal. 

Sie sagt, sie würde mir sehr gerne helfen, aber sie hätte eine Katzenhaar Allergie (schon wieder). Aber sie hätte eine sehr nette Nachbarin, die Susi, die selbst eine Katze hat und die allenfalls in Frage komme. Hallellujahhhhhh! Ich gebe ihr meine Nummer und jetzt weiss ich auch wie sie heisst.

Eine Stunde später schreibt sie mir, Susi würde das Katzen hüten übernehmen. WOW WOW WOW!

Susi kam vorbei, um den Schlüssel zu holen und sich Frau Büsensen anzusehen. Sie ist der perfekte Match. Sie hat selbst einen Kater und schwärmt mir von ihm vor. Sie erzählt mir, Brutus esse nur Biofleisch. Er sei sehr heikel. Und im Sommer nimmt sie ihn mit in den Wald. Sie kocht ihm sogar regelmässig Fisch und die Bio Hähnchenbrust für ihn kauft sie bei Aldi.

Ich kann mein Glück kaum fassen und bedanke mich immer wieder bei Susi. Sie würde ihren Kater nie länger als einen Tag alleine lassen. Und klar komme sie zwei Mal pro Tag vorbei. Das wäre doch sonst gemein für Frau Büsensen. (Zum Glück weiss sie nichts von meinem Notfallplan).

Was ich ihr dafür geben darf. Nichts sagt sie, dass macht man doch füreinander. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, uns zu helfen. Wow. So viel Mitmenschlichkeit hatte ich in Berlin noch nicht erlebt. Bis jetzt hatte alles seinen Preis.

Ich hatte ihr schon mal als erstes Dankeschön einen Strauss Tulpen besorgt. Auch für mich eine Selbstverständlichkeit.

Frohe Weihnachten und ein Hoch auf Susi und alle Gutmenschen! 

P.S. Als Susi gegangen war, entdeckte ich eine Nachricht einer Nachbarin, die meinte, sie könnte ein paar Tage zur Katze schauen und eine Sprachnachricht einer anderen Bekannten, die sich ebenfalls als Hüterin anerbot. Ironie des Schicksals. 

Berlin-Zürich. Ein Protokoll.

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