Überfällig

Überfällig

Es regnet leicht, aber die Bäume leuchten noch immer mit ihren wunderbaren Herbstfarben und trotzen dem aufkommenden Grau. Der Wetterbericht hatte für heute 25 Grad und Sonne versprochen. Aber egal. Mir kommt’s grad recht. Bis jetzt lag der Wetterbericht eigentlich nie richtig. Passt zu Berlin. Vieles ist unverbindlich, so nach dem Motto, kucken wir mal...

Der Alltag ist eingekehrt, aber im positivem. Nicht der langweilige angestaubte Alltag, sondern einer, der ab und an kleinere und grössere Highlights hervorbringt, manchmal aber auch ganz unaufgeregt ruhig dahin dümpelt. Vielleicht könnte man auch einfach sagen, dass wir mittlerweile etwas strukturierter unterwegs sind und das ist gut so. Nun dauert es noch rund sechs Wochen und Kind Nummer 2 erblickt das Licht der Welt. Wir sind gespannt.

Gestern setzte ich mich mal wieder einen Fuss vor unsere Wohnungstür und gab mich dem Berliner Leben hin. Um all das gehörte und erlebte zu verarbeiten, habe ich mich in mein Lieblingskaffee, das Lieschen Müller zurück gezogen.

Nun bin ich  in bester Gesellschaft anderer Laptop Usern und Zeitschriften Schmöckerern, umgeben von fein duftendem Kaffee und grossartigen Torten (sie sehen zumindest so aus. Probiert hab ich noch nicht. Ehrlich!). Mein Luxus: Chai Latte und Apfelschorle von Proviant. Und ungestörte Schreiber-Ruhe, da hier praktisch niemand Deutsch spricht.

So. Gestern war also einer dieser Tage. Ich war seit Wochen überfällig. Und zwar mit Haare nach blondieren. Das ist ein schrecklicher Zustand und man kommt sich Tag für Tag schlechter und ungepflegter vor, wenn man das nicht macht. Etwa so, wie wenn man auf einem Langstreckenflug die Zahnbürste vergessen hat oder wenn man nach dem Duschen ein Handtuch erwischt, das nicht herrlich nach frischem Waschmittel duftet, sondern irgendwie abgestanden und muffig.

Unser Schweizer Freund, der mit den geklauten Autos, hat mir einen Frisör Salon empfohlen. (Nein, er ist nicht blondiert, aber geht da jeweils hin). Der ist nur drei Minuten von unserer Wohnung entfernt. Perfekt. Mein schlechtes Frisurenerlebnis von der Haarstation in Mitte hatte ich schon langsam verdaut. Liegt jetzt ca. 3 Wochen zurück. Da schnitt mir ein Italiener ohne Deutsch-und Englischkenntnisse meine Haare für 16 Euro. Es kam auch so raus wie für 16 Euro und mehr sage ich jetzt nicht dazu, sonst muss ich mich wieder aufregen. Ich meinte dann gestern, sie soll doch bitte die Haare blondieren und noch etwas in Form schneiden. Ich käme mir vor, wie eines dieser Meerschweinchen mit unterschiedlich langen Haaren. Und sie so ganz trocken, in ihrem Altberlinerisch: Och ja, dit hab ich mir ooch jedacht. Janz zerzaust sind se. Det sind Rosettenmeerschweinchen! Ok. So viel zu dem. Frau Frisörin hat ihren Job gut gemacht. Ich bin jetzt wieder ich. Adieu Rosettenmeerscheinchen!  

Zum blondierten Haar, habe ich mir dann noch die Fussnägel rot bepinseln lassen, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Die Parkkarte

Die Parkkarte

Der Müll-Löwe

Der Müll-Löwe