Meine Liebe zu Büchern

Meine Liebe zu Büchern

Als Kind wohnte ich nur einen Katzensprung von der Gemeinde Bibliothek unseres Dorfes entfernt. Meine Mutter erzählte mir, dass es da früher gespukt haben soll und lange Zeit niemand in diesem Haus leben wollte. Das machte es für mich umso spannender. 

Ich war Stammkundin und kannte alle Bibliothekarinnen beim Namen. Natürlich wussten auch sie ganz genau, wer ich bin. Die meisten von ihnen strahlten etwas warmes aus und sie zeigten mir stolz neue Kinderbücher oder reservierten Hörspiele für mich. Ich fühlte mich wohl, als wäre ich Teil einer verschworenen Gemeinschaft.

Wenn ich das denkmalgeschütze Haus betrat, war da dieser unverkennbare Duft. Eine Mischung aus Stein, Holz und etwas undefinierbaren. Die Bücher rochen genauso. Die Bibliothek lag im Dachstock. Man musste zuerst eine steinerne, dann eine hölzerne, knirschende Treppe hochsteigen. Wenn man oben war, hörte man zum Teil die älteren Leute schon von weitem die Treppe hoch keuchen.

Der Boden der Bibliothek war leicht abgeschrägt und gierte bei jedem Schritt. Es war ein Ort, der mich magsisch anzog, an dem ich mich geborgen fühlte. Durch die Dachschräge ergaben sich kleine Gänge, die perfekt waren, sich dahinter zu verschanzen und in die Bilderbuchwelten einzutauchen. Ich vergass regelmässig die Zeit, so dass meine Mutter rüber kam und zu schauen, ob ich noch da bin.

Ich wollte auch Teil des Buch-Clans werden und fragte, ob ich da arbeiten dürfte. Die Bibliothekarinnen waren zuerst überfragt und wussten nicht, wie sie mich beschäftigen könnten. Ich schätze ich war etwa 7 Jahre alt. Ich schlug vor, Bücher einzusortieren.

Nachdem sie sich beraten hatten, bekam ich die Zusage. Ich hatte meinen ersten Job und war mächtig stolz. Und meine Jahresmitgliedschaft war von diesem Zeitpunkt an umsonst. So machte ich mich zwei bis drei Mal pro Woche mit grosser Leidenschaft ans Werk. 

Ich lernte unglaublich schnell, welchen Platz die Buchstaben im Alphabeth hatten und wie breit die Palette an Büchern war. Ich bin sicher, dass meine Liebe zu Bilderbüchern, spannenden Geschichten und Bildbändern von dieser Zeit her kommt. 

Als es dann rund 30 Jahre später soweit war und wir nach Berlin umzogen, war es für mich klar, als erstes die nächstgelegene Bibliothek aufzuspüren und zu schauen, was es dort so gibt. Sie liegt in der Nähe des Wasserturms und ich ging ganz oft mit Maus dahin. Natürlich bekam auch sie eine Jahresmitgliedschaft (für Kinder ist die umsonst).

Leider sind unsere Besuche zur Seltenheit geworden. Einerseits lässt unser Alltag wenig Luft für solche Besuche, da die Bibliothek nur wochentags geöffnet hat und andererseits haben sie einen Lautstärke Alarm angebracht, der los geht, so bald ein Kind zu laut ist. Eine Ampel leuchtet rot und ein Alarm geht ab. Leider hat auch Mips ihn ein paar Mal ausgelöst...

Aber es ist nicht nur Mips. Wir sind im Prenzlauerberg (im Kinder Mekka) und der Alarm geht im Minutentakt ab. Wie will man da noch in Ruhe in seinen Büchern schmöckern können? 

Um mir meine positiven Kindheitserinnerungen zu bewahren, bestellen wir uns mittlerweile unsere Bücher secondhand, zum Beispiel bei Medimops (Verkaufen kann man übrigens prima über Momox), kaufen sie auf dem Flohmarkt oder in einem der zahlreichen tollen Buchläden (siehe Bücher & Bagels oder im Bauch der Geisterschmiede) hier in der Stadt. Oder wir besuchen auf gut Glück den Bücherbaum.

Im nächsten Post findet ihr unsere liebsten Berlin Bücher, die uns auf die Stadt vorbereitet oder wir während unserer Berlinerzeit gelesen haben.

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Unsere 14 liebsten Berliner Bücher

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Berlin Plattenbau Tetris

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