Alles steht Kopf

Alles steht Kopf

Mich hat’s erwischt. Mal wieder. So ein Mist! Ich steh da wirklich nicht drauf. Auf’s krank sein, mein ich. Früher hatte das tatsächlich noch einen gewissen Erholungseffekt, aber heute? Im Gegenteil. Alles steht Kopf und es ist schlicht und einfach nur nervig!

Jeder und jede, der oder die schon mal mit Fieber, Gliederschmerzen oder sonstigen Einschränkungen Kinder bringen, abholen oder gar den ganzen Tag betreuen musste (!?) (den Kater, als absolute Superlative und schlimmster Feind aller Eltern, lass ich jetzt mal aussen vor) weiss, wovon ich spreche. Aber jetzt mal der Reihe nach.

Sonntag. Ich freue mich, mein Mann nimmt die Kinder und ich kann den ganzen Tag schreiben, schalten und walten wie ich will. Luxus pur. Bereits um 10 Uhr ist mir speiübel und ich verbringe den restlichen Tag abwechselnd im Bett und auf der Toilette. Mein Plan war es, zwei bis drei Blogbeiträge zu schreiben. Pech gehabt. Dafür habe ich endlich mal Zeit, all die Magazine durchzublättern, die sich bei uns im Bad stapeln (Details siehe unten).

Montag. Ich steh um halb sieben auf, voller Enthusiasmus, dass ich es überstanden habe und es sich um eine Eintags-Magenverstimmung gehandelt hat. Oh nein. Meine Blase macht mir einen Strich durch die Rechnung. Sie ist entzündet. Hallo Klo, ich bin schon wieder da. Hallelujjaaahhh. Der Mann liefert beide Kinder ab. Ich durchsuche unsere Hausapotheke. Leider sind meine Nieren-und Blasendragées alle. Ich lege mich in die heisse Wanne und trinke Erkältungstee. Immerhin.

Warm eingepackt, kuschle ich mich dann ins Bett, den stechenden Schmerz ignorierend. Ich werfe irgendein Schmerzmittel ein (ich glaube es waren die Tabletten von der Meniskus OP meines Ehemannes) und warte, bis es besser wird. Endlich schlafe ich ein. Das Telefon klingelt. Die Kita. Könnten sie bitte unverzüglich ihr Kind abholen? Es klagt über Bauchschmerzen und krümmt sich. Scheisse. Das war’s. Ich raffe mich auf, ziehe gefühlte zehn Schichten an, renne noch fünf Mal auf Toilette bevor ich mich auf den siebenminütigen Fussmarsch in die Berlinerkälte raus zur Kita begebe.

Die Apotheke liegt zum Glück am Weg. Ich kaufe mir eine Megapackung von diesen pflanzlichen grünen Tabletten gegen Harnwegsinfekte. Und noch ein Klistier für Kleinkinder. Wer weiss, vielleicht hat Mips ja Verstopfung. Schwitzend und bleich wie ein toter Fisch in der Kita angekommen, strahlt mir ein fröhliches Kind entgegen. Ich soll sie trotzdem mitnehmen. Aber ich bin krank, sag ich. Es wird ignoriert. Mama ist jetzt da und kümmert sich um dich. Alles klar. Tschüssikowski. 

Beim rausgehen, entdecke ich einen Zettel an der Tür, dass die Erzieher am Donnerstag streiken. Mein Mann hat Mips aber schon für die Notbetreuung für arbeitende Eltern eingeschrieben. Gut. Gehen wir. Mips ordnet Gemüse während ich Nudeln (in Deutschland wird sämtliche Pasta mit dem Begriff Nudeln zusammen gefasst) koche, weil vom Kind explizit gewünscht.

hoiberlin-gemüse

Anschliessend machen wir einen gemeinsamen, sehr ausgedehnten Mittagsschlaf von drei Stunden. Es klingelt. Maus ist da. Die Schule war ok. Spielen, aufräumen, malen, kochen, aufräumen, der Mann kommt nach Hause und übernimmt. Ich hab’s überlebt.

Dienstag. Die Blase scheint sich langsam zu erholen. Beide Kinder sind wieder in der Schule und der Kita. Zum Glück. Ich schlafe soviel es nur geht. Dann hole Mips ab und Maus kommt aus der Schule. Wir finden einen Brokkoli in der Lego Kiste. Mips sagt stolz: Baumi versorgt. Ok. Gut. Unspektakulärer Abend ohne auffallende Vorkommnisse. Ich denke, ich kann am Mittwoch wieder ins Büro.

Mittwoch. Strich durch die Rechnung. Meine Blase rebelliert. Um 08:15 Uhr betrete ich die Arztpraxis meiner Hausärztin und muss mich hinten in die Warteschlange stellen!!! Ich bin Nr. 7. Die Praxis hat seit einer viertel Stunde auf. Ich habe keinen Termin, sag ich und strecke meine Versicherungskarte hin. Ab ins Wartezimmer, das zum bersten voll  ist. Der letzte Platz gehört mir. Direkt an der Heizung. Das rettet mich über die nächsten zweieinhalb (!!) Stunden. Um mich herum, hustet und keucht es. Ich hätte gerne einen Mundschutz. 

Auf der neusten Stern Ausgabe thront Donald Trump mit dem Titel Der Imperator. Ich blättere kurz durch, bis mir noch übler ist. Ich betrachte eine Kleenex Schachtel mit WWF Symbol, Papageien und exotischen Blumen. Ans Fenster drapiert, stehen ein paar Ficus Benjamini auf rollenden Untersätzen. Die Preise kleben noch an den Töpfen. Der Zimmerbrunnen im Raum macht mich fertig. Dieses dahinplätschern und heile Welt vorspielende total unnötige Ding! Plätscher, plätscher, plätscher. Ich verdränge meinen Harndrang, weil ich meinen Platz an der Wärme nicht aufgeben will. Also halt ich durch.

Um 10:15 Uhr werd ich aufgerufen. Die Leute sitzen mittlerweile auf den Spielzeugkisten. Wie am Flughafen, wenn eine Maschine ausgefallen ist, denk ich. Ob ich meinen Urin schon abgegeben hätte, fragt mich Frau Doktor. Nein, sag ich und denke, wie dumm kann ich nur sein. Das ist doch das erste was man bei Blasenentzündungen macht. Gesagt, getan. Warten aufs Ergebnis. Nun  sitz ich auf der Spielzeugkiste. Um 10:30 Uhr krieg ich einen akuten Harnwegsinfekt bestätigt.

Nach geschlagenen 2,5 Stunden, knurrendem Magen und Kopfschmerzen hole ich mir das besagte Medikament in der Apotheke. Das Rezept hab ich dabei. Ich muss noch 5 Euro bezahlen. Das sei immer so, sagt mir die Verkäuferin. Wusste ich gar nicht. Ja, eine sogenannte Zuzahlung bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Ok. 

Ich geh nach Hause. Das Antibiotikum darf ich erst abends vor dem ins Bett gehen nehmen. Auf die Zähne beissen ist angesagt. Ich hole Mips. Maus spielt noch bei einer Freundin und isst dort Abendbrot. Der Mann, Mips und ich essen Edamame und Reste. Maus bringt nen Zettel mit von der Schule. Am Donnerstag streiken die Erzieher. 

Freitag. Also heute. Ich bin geheilt. Noch etwas erschöpft, aber ich hab's überstanden. Den Streik ebenfalls. Mips und Maus waren in der Notbetreuung. Die Sonne scheint und ich bin froh, ist es vorbei. 

Diese Woche habe ich mich durch die Geschichten und Bilder dieser Magazine durchgeblättert: Annabelle, mit einem Bericht vom Berliner Holocaust-Mahnmal von Silvia Princigalli. CRAFTRAD, Lost & Found, bei der mir vor allem die Motorrad Safari durch Tokio und die Bildstrecke durch Island gefallen haben. Im Huck Magazin, The Offline Issue, gab mir das Portrait über Bret Easton Ellis zu denken und einfach nur toll und inspirierend ist das Another Escape Magazin.

Ein schönes, gesundes Wochenende wünsch ich euch!

Unsichtbar in Berlin

Unsichtbar in Berlin

Asia Mekong am Hackeschen Markt

Asia Mekong am Hackeschen Markt