2 Monate zurück in Zürich. Fettnäpfchen Alarm hoch drei!

2 Monate zurück in Zürich. Fettnäpfchen Alarm hoch drei!

Freitagmorgen früh. Die Sonne geht auf und der Tag verspricht ein Herbsttag wie er im Bilderbuche steht. Zürich ist eine wunderschöne Stadt, keine Zweifel.

Die Luft riecht nach Herbst. Es ist kühl. Die vergessenen Turnschuhe im Garten sind angefeuchtet. In der Nacht hatte es geregnet. Frau Büsensen bleibt lieber zuhause an der Wärme.

Heute beginnen bei uns die Herbstferien. Der erste Schritt ist geschafft. Maus hat viel geleistet, sich (mehr oder weniger) neu eingefunden. Alles ist anders, alles ist neu ausser die Sprache. Zum Glück. Schwimmen gefällt ihr bis jetzt am besten. Die Hausaufgaben macht sie bis jetzt ohne grosses Murren und Knurren. Ein, zwei Freundinnen hat sie auch schon gefunden. Den Schulweg (ca. 10-15 Minuten) quer durchs Wohnquartier legt sie auch schon alleine zurück. Bravo!

Mips ist auch back on track. Die Kita gefällt ihr. Sie unternehmen viel, gehen jeden Tag spazieren, basteln, kochen, backen. Die Mädelsgang, die sie in der Berliner Kita um sich hatte, fehlt, aber dafür versteht sie sich mit der Tochter meiner Freundin ganz gut. Es entwickelt sich.

Und bei mir? Mhmmm. Ich kann nicht recht einschätzen, ob ich nun angekommen bin oder nicht.

Ich bin sehr müde, was damit zu tun hat, dass ich anfange loszulassen und runter zu fahren. Mein neuer Alltag, der mir minutengenaue Zeitfenster vorgibt, in denen ich alles reinpferchen muss und will. Fürs Schreiben, für die Umgestaltung von Hoi Berlin, für neue Ideen und die Jobsuche gibt’s wenig Platz.

Dafür setz ich mich oft abends noch hin. Und. Wir haben seit gestern Internet! Hallelujahhhh! Nach zwei Monaten. Aber. Grosses Kompliment an Sunrise. Es dauerte lediglich 5 Tage, das Ganze aufzuschalten. (Wir waren dieses Mal die Schnecken...).

Meine Putzaktivität hat sich ungefähr verzehnfacht. Die Kinder sind viel mehr zuhause, als in Berlin. Eine Stunde reicht und meine ganze Ordnung ist wieder hinüber. Ich sauge, was das Zeug hält.

Ich räume auf, koche, spiele und geh einkaufen. Mit Maus hab ich ausgemacht, dass sie in ihrem Zimmer tun und lassen kann, was sie will. Einmal die Woche räumen wir zusammen auf. Meine Standart Menüs. Milchreis, Omelette, Kartoffelbrei mit Brätchügeli oder Curry reichen nicht mehr aus. Ich muss mir was einfallen lassen.

Bis bei uns das Tagesschulmodell eingeführt wird, vergehen noch mindestens drei Jahre. Aber diese Aussicht gibt Hoffnung. Treffe ich hier auf jemanden mit Kindern, dreht sich eine der ersten Fragen immer darum, wie toll es ist, dass in Berlin die Kita staatlich ist und die Kinder den ganzen Tag in der Schule sind. Beneidenswert, krieg ich Einstimmug zu hören. Zumindest aus meinem Freundeskreis. 

Ja, ist es! Ich habe über meine grosse Umstellung wie es sich anfühlt, zurück im Schweizer Hausfrauen-Alltag zu sein im Mama Blog geschrieben (das Foto zum Artikel hab nicht ich ausgesucht ;-).

Natürlich schrieb ich wie immer mit einem gewissen Augenzwinkern, aber Humor wird nicht verstanden. Die Kommentare habe ich bewusst nicht gelesen. Sie hätten mich fertig gemacht. Wie letztes Mal als ich über meine Erfahrungen mit der Mutter-Kind-Kur geschrieben hatte. Aber meine Freundinnen, die zwischendurch rein gelesen haben, meinten, es sei voll der Shit Storm ausgebrochen und fragten mich ernsthaft, wieso ich mich öffentlich den Löwen zum Frass vorwerfen lasse.

Wir haben 2017. Die Leute regen sich darüber auf, dass eine Frau die Kinder hat „Den Fünfer und das Weggli“ möchte. Also Arbeit und Kind. Bei vielen ist dieses Urschweizerische Gedankengut fest verankert. Wer ein Kind hat, arbeitet nicht. Bleibt zuhause. Kinderbetreuung von Steuergeldern bezahlen? Was soll das? Die die keine Kinder hätten, wären doch dann total benachteiligt. Naja, was soll ich dazu sagen?

Der Text ist persönlich. Er widerspiegelt meine Meinung, meine Erfahrung, mein Empfinden. Dass ich mich damit ins Fettnäpchen setzen würde war klar. Dennoch find ich es traurig, dass viele noch immer so denken. Was ist mit der Zukunft unserer Mädchen?

Sollte man nicht das Vorleben, was man sich später für sie wünscht? Selbstbewusstsein, selbst bestimmtsein und mit Kindern frei zu sein? Sollen wir aufhören, in ihre Ausbildung zu investieren, weil sie eh zuhause bleiben werden, sobald sie Kinder bekommen? Abgesehen davon, war ich ja mit beiden ein Jahr lang zuhause. Einmal in der Schweiz, einmal in Deutschland. Da war ich in Elternzeit.

Und jetzt Achtung, liebe konservativen Schweizerinnen und Schweizer. Haltet euch fest. Mein Mann nahm sogar zwei Monate Elternzeit! Ui nei! Und ja, er bekam in dieser Zeit 80 Prozent Gehalt. Der Staat bezahlte. In der Schweiz wurde die Volksinitiative Vaterschaftsurlaub jetzt abgeschmettert. Die Väter sollten nach Geburt des Kindes einen Monat verteilt auf ein Jahr zuhause bleiben dürfen. Ihnen steht heute lediglich einen Tag zu! 

Meine Freundin Tina kommentierte gestern:

Wozu haben wir jahrelang studiert?? Warum sind Männer und Frauen im Arbeitsleben noch nicht gleichberechtigt? Wozu muss es eine Frauenquote geben und was ist mit gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit?! Gerade deshalb brauchen wir verlässliche und bezahlbare Kinderbetreuung!!

Danke Tina! Und auch ein grosses Merci allen anderen, die was nettes kommentiert haben. Was heisst, nett. Es geht ja auch um Respekt. Aber im Netz scheinen den halt viele zu verlieren. 

Eine Freundin erzählte mir von einer Mutter mit drei Kindern, die eigentlich zuhause bleiben wollte, aber dann dank Einführung des Tagesschulmodells unverhofft, eine Ausbildung angefangen hatte und nun zurück im Berufsalltag ist. Sie sagte, sie wäre schon lange nicht mehr so glücklich und entspannt gewesen.

Jemand aus der Schule erzählte mir wiederum von Lehrerinnen, die nach dem Kinderkriegen nicht mehr in die Schule zurück kommen, weil sie die Kinderbetreuung mehr kostet, als sie verdienen. Sie bleiben zu Hause. Ein anderer Kommentar dazu: Was für ein volkswirtschaftlicher Blödsinn!

Ich sage absolut nichts gegen Hausfrauen. Es ist eine persönliche Sache, die jede Frau für sich selbst entscheiden soll. Aber es wäre schön, wenn die Entscheidung nicht vom Einkommen abhängen würde und wenn es zu einem grösseren Miteinander kommen würde. Kommt Zeit, kommt Rat. Auch in der Schweiz. Hoffentlich.

Ansonsten empfinde ich die Schweiz als sehr kinderfreundlich. Heute Morgen hat der Bus auf mich und Mips gewartet, als ich noch ein Ticket löste. Gestern schenkte uns ein Mann in der Migros die Sammelpunkte für die aktuelle Kinderaktion.

Im Restaurant gibt’s gratis Sirup für die Kleinen. Auf dem Wochenmarkt kriegt man an fast jedem Stand etwas auf die Hand. Ein Lächeln und ein Schwatz. Die Leute sind wohlwollend, machen Platz, wenn man mit einem Kind in den Bus steigt oder auch an der Supermarkt Kasse. 

Und wo bleiben denn im übrigen bei der ganzen Diskussion die Männer? 

Betreuungsnotstand im Schlaraffenland. Hoi Berlin im Gespräch mit Indre Zetzsche vom Gesellschafts Magazin Mi-MA.

Mit der FEMALE FUTURE FORCE haben wir eine Bewegung geschaffen, die uns alle stärker macht. Es geht darum, gemeinsam zu wachsen, zu lernen, den eigenen Horizont zu erweitern, sich zu inspirieren und miteinander auszutauschen.

Titelbild ©Girls Gone ChildThe Future is FemaleA more female future means a more equal future.

Wenn ich gross bin, werde ich Forscherin

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