Wir Schweizer

Unser Bezug zur Schweiz hat sich auf einen Schlag geändert seit wir hier in Berlin leben. Wir sind fast täglich mit unserer Herkunft konfrontiert, müssen uns Sprüche anhören über unseren lustigen Dialekt beim Hochdeutsch sprechen und ab und zu auch einen über Minaerettverbote. Ja, so ist das nun mal. Manchmal kann das wahnsinnig anstrengend und nervig sein, manchmal ist es aber auch nützlich, um das Eis zu brechen.

Früher waren wir halt einfach ganz normale Schweizer aus Zürich. Wir mussten uns dazu gar keine Gedanken machen. Es war einfach so. Und es ist auch heute noch so. Daran ändert sich ja nichts. Oder doch? 

Ich habe neulich mit einem Schweizer Freund darüber gesprochen. Er lebt wie wir in Berlin. Und wir haben uns gegenseitig gestanden, dass wir ganz seltsame Verhaltensweisen an den Tag legen, seit wir nicht mehr in der Schweiz wohnen. Ein Verhaltensmuster ist zum Beispiel (und das haben wir beide), dass wir sobald wir in der Schweiz sind, sofort in die nächste Migros reinstechen müssen.

Ganz zwanghaft wird dann alles alt bekannte in den Einkaufswagen gelegt. Das haben müssen besiegt jede Vernunft und an der Kasse kommt dann die Schockstarre. So als Vergleich: Füllt man in Berlin einen vollen Einkaufswagen, kriegt man in der Schweiz einen Drittel für's gleiche Geld. Aber es lohnt sich.

Oder ich bestelle im Restaurant eine Rivella. Einfach so, weil's das in Berlin nicht gibt (vermutlich schon, aber es ist ja nicht dasselbe). Mein Käse-und Schokoladenkonsum ist ebenfalls massiv angestiegen, seit ich in Berlin lebe. Ich brauche das so richtig. (Ich merke grad, wie ich ein typisches Klischee bestätige). 

Schaut man bei uns in den Küchenschrank, das sogenannte Chuchichäschtli (nein, das ist keine Kuchenform, wie kürzlich ein Arbeitskollege meinte) ist es gefüllt mit allen möglichen Schweizer Produkten und irgendwie beruhigt mich dieser Anblick. Und auch der Fact, mich mit einem Biss der Heimat näher zu fühlen. Ich muss einfach aufpassen, dass zu viele heimatliche Sünden mein sogenanntes Hüftgold (passt ja auch gut zur Schweiz)nicht überstrapaziert.

Aber das Schlimmste kommt noch. Maus hat zur Einschulung den Heidi Film geschenkt bekommen. Also haben wir uns den vor ein paar Wochen als Mips Mittagschlaf gemacht hat, angeschaut. Und hey, ich habe schon beim Vorspann angefangen zu heulen. Und nicht mehr aufgehört. Ich sass da mit der Zupfbox (wir sagen Kleenex) die ich eigentlich in der Kita abgeben sollte und habe den ganzen Film durch geheult. Tja. Ich glaube Heimweh ist was subtiles. Und wenn's kommt, dann ist es wie ein Schlag bei Hau den Lukas. Biiinnnng.

Während ich diesen Text geschrieben habe, habe ich einen echten Appenzeller Bärli-Biber gegessen. Mein Korrekturprogramm wollte aus dem Bärli, Berlin machen, aber so einfach läuft das hier nicht. Wir sind Schweizer in Bärlin. Ätsch. Und es ist total ok, so wie's ist.

Bei 100 Sekunden Wissen vom SRF habe ich übrigens eine spannende Sendung zum Thema Heimweh gehört und gelernt, dass Heimweh früher auch als Schweizer Krankheit bekannt war.

Unsere 14 Lieblingsprodukte aus der Schweiz findest du nächsten Dienstag auf dem Blog.

Adieu mitenänd, tschau zäme!