Berlin-Zürich. Ein Protokoll.

1 silberner Skoda, 2 übernächtigte Erwachsene, 1 halbkrankes Kleinkind (2), 1 gut gelauntes junges Mädchen (6), 1 Dachbox, 4 Koffer, 2 IKEA Taschen voller Geschenke, 1 Buggy, 6 Kuscheltiere, 2 Tiptoi Bücher, 1 iPad, 1 Kanne mit Kaffee, 4 Sigg Flaschen mit Leitungswasser, 4 hartgesottene Eier, 1 selbstgebackener (leicht versalzener) Zopf mit Speckwürfeln, 6 Biberli, 1 Packung Quetschies, eine Packung selbst gemachter Schoko-Lollies (ein Geschenk).

10:05 Ich sitze grad im Auto neben meinem Hubby. Maus beschäftigt sich mit dem Mia & Me Magazin, dass ich ihr ohne grosse  Diskussion vorhin beim Tanken gekauft habe. Als ich auf Anhieb ja gesagt hatte, hat sie mich mit grossen Augen angeschaut und sich bedankt. Tja. Mips räumt den Mickey Mouse Blechkoffer (mit Pixis, Malsachen und Fingerpuppen) aus und wieder ein und sagt immer wieder (mit Schnuller im Mund) mein Koffaaa, mein Kofffaaa.

Wir sind seit halb neun unterwegs. Jetzt ist fünf Minuten nach zehn. Wir tragen schwarze Sonnenbrillen. Draussen ist es kalt, aber wunderschön. Jetzt zeige ich Mips grad einen aufgeblasenen Schneemann auf dem Dach einer Shoppingmall irgendwo im Niemandsland. Das Navi sagt, wir kommen vier Minuten vor halb fünf bei meiner Mutter zuhause am Zürichsee an.

Wir fahren 140 Stundenkilometer und passieren vorwiegend Bäume. Der Verkehr läuft. Es ist der 23. Dezember 2016. Einen Tag vor Heligabend. So knapp vor Weihnachten kamen wir bis jetzt nie. Aber Maus hatte bis gestern Schule. Sie frühstückten mit der Klasse (wir brachten Zopf), sangen dann in der Aula Weihnachtslieder (ohne Eltern) und am Nachmittag gabs noch ne kleine Weihnachtsfeier mit dem Karate (mit selbst gemachten Guezli mit; Maus war die einzige, die daran gedacht hatte).

Heute Morgen beim Gipfeli (Croissants) holen im Bioladen schräg bei uns gegenüber, las ich auf einem A4 Blatt, das auf die Kasse geklebt war und mit lauter Ausrufezeichen versehen war: Brot für Weihnachten bitte vorbestellen. Nur noch zwei Enten und eine Gans!!! Stimmt, die Weihnachtsgans. Das kenn ich von uns so überhaupt nicht, wobei mir die Gans noch lieber wäre, als der Weihnachtskarpfen. Ich habe mir bei meiner Mutter Katoffel Gratin und Braten gewünscht. Das ist für mich Weihnachten! Mit leckerem Nüsslisalat (Feldsalat) und zum Dessert Mousse au Chocolat. Ich lass mich mal überraschen.

Vorhin hatten wir versucht, auf Spotify anständige Weihnachtsmusik zu finden, jesses, das ist eine Herausforderung!  Angefangen hatte ich bei den Top 100 Weihnachts Hits. Ich fands super, aber Maus wollte In der Weihnachtsbäckerei und Mips Oh Tannenbaum. Dann landete ich beim Dresdner Kinderchor, was Maus als Eselsgesang betitelte und mit in Ohnmacht fallen drohte, wenn ich nicht sofort abstellen würde.

Als ich als Suchbegriff Deutsche Weihnachtslieder eingab, endeten wir bei Hansi Hinterseer. Der Mann jaulte auf und ich schunkelte. Ich präzisierte dann aber meine Suche nochmals und gab Deutsche Kinder Weihnachtslieder ein. Wir landeten bei Rolf Zuckowski. Die Mädels fandens gut, ich suchte weiter.

Es ist zwanzig vor 12 Uhr. Schneeregen. Das Navi sagt noch immer, wir kommen um 16:26 Uhr an. Der Verkehr ist fliessend. Maus findet meine neu entdeckte Neftflix Kinderserie (Oonas und Babas Insel; Original: Puffin Rock) gut. Sie schaut schon die dritte Folge.

Mips schläft und hustet. Push Meldung vom Tages Anzeiger: Der Täter von Berlin wurde in Mailand erschossen. Mips hat grad gekotzt. Ok. Ich sage, sie hat Reisekrankheit, der Mann findet, sie hätte wohl einfach zu viel Schleim im Hals gehabt. Wir fahren raus, putzen den Sitz, ziehen ihr neue Kleider an und weiter geht’s. Es ist neblig.

Wir essen Speck-Zopf. Als ich für die Schule gebacken habe, habe ich noch einen für uns gebacken. Wenn schon denn schon. Und hatte noch ein paar Speckwürfelchen drunter gemischt.  Mips darf jetzt bei Maus mitkucken. Wie schön.

12:21 Wir fahren an Körbeldorf vorbei (jetzt wäre doch der passende Moment für die nächste Körbelaktion von Mips. Ha, ha, schlechter Witz. Schweizerdeutsch Körbeln=Erbrechen). Mips schläft wieder. Kurze Befürchtung, wir könnten in den Stau gelangen. Nein. Es war nur das Salzstreuer Fahrzeug (weisch wasi meine?).

14:00 Kirchberg. Noch 3 Stunden und 17 Minuten. Ich habe uns vorhin bei der zweiten Pinkelpause eine grosse Portion Pommes von Burger King mitgebracht (hatte leider nur 3 Euro dabei). Lecker! Neuer Versuch mit den 100 Hits von Spotify: Run Rudolph run von Chuck Berry.

Maus hat eine weisse selbst gebastelte Krone auf und schaut irgendein Kitsch Mädchen Mal-und Stickerbuch an. Mips hustet, ist aber relativ ruhig. Es hat aufgehört zu regnen.

Vor ca. einer halben Stunde: Diskussion darüber, welcher Tag nun der ECHTE Weihnachtstag sei. Maus behauptet der 24igste, weil's das grösste Tor auf dem Kalender ist und weil es schliesslich als Höhepunkt die echte Weihnacht einläutet. Wir versuchen Argumente für den 25igsten zu finden. Es ist der Countdown. Maus hält an ihrer Meinung fest: Aber es gibt kein Türchen dafür. Ich lenke mit selbstgemachten Schoko Lolies (von Anna und den Mädels) ab.

14:10 Wir hören What Christmas Means to Me von Hanson. Kurz mal in die Runde gefragt, was Weihnachten für uns bedeutet. Maus sagt, in die Schweiz reisen und die Grosseltern sehen! Wir sind uns einig.

14:16 Wir haben nochmals die Playlist gewechselt. Nie wieder Last Christmas! Die ist es jetzt!

14:24 Wir fahren an der Burg Weibertreu vorbei. Ich frage mich, wieso so viele Greifvögel an der Autobahn rumhängen. Es gibt doch echt tollere Gebiete für Mäuse, nicht?

Bis jetzt gab’s noch nicht viele Autonummern Higlights. Eine bis jetzt. PIG 123. Eher mässig lustig.

14:40 Feinstaubalarm in Stuttgart.

14:50 Parkplatz Engelberg. Wir fahren vorbei. Die Sonne scheint wieder. Wir ziehen die Sonnenbrillen wieder an.

14:56 Scheisse. Hardcore Stau!! Zum Glück nur eine Viertelstunde. Nadelöhr vor Stugi.

15:50 Anruf an Tante Guggu. Wir kündigen uns spontan zu einem Besuch an. Sie hätte nur Kafi und Rivella, oder Eistorte (die lehnen wir dankend ab) wir essen ja später noch Z’Nacht bei meiner Mutter. Maus schaut weiter Oonas und Babas Insel und Mips schläft seelig. Eingedeckt von Kuscheleinhorn, Biff, dem Sorgenfresser und ihrem Sandmännchen.

Der Verkehr ist flüssig. Ich sehe die ersten Zürcher Nummernschilder. Es dauert nicht mehr lange.

16:07 Noch anderthalb Stunden. Nebel, aber kein Regen. Wir nähern uns der Schweiz.

16:20 Schweizer Zoll in Schaffhausen. Grüezi, woher kommen sie, wohin gehen sie? Haben sie Waren dabei? Ja, ein paar Weihnachtsgeschenke. Er schaut sich jeden unserer Pässe genau an. Er winkt uns weiter. Ich atme auf. Zum Glück hatten wir die Eis-Maschine nicht dabei.

Wir wundern uns, dass es hier eine ganze Stunde später eindunkelt. Mips wacht auf uns schaut mit Maus Serien.

Stille. Wir fahren zu Tante Guggu. Ich habe das Gefühl, es dauert ewigs. Wie angekündigt, sind wir punkt 17:15 Uhr bei ihr. Wir freuen uns über das Wiedersehen. Mips ist ganz zutraulich. Es gibt Rivella blau und Zimtsterne. Mmmmmh, fein. Maus stolpert und spritzt den Adventskranz mit Rivella voll. Die Kerzen erlischen nicht. Alles gut.

Streit um ein Globibuch und den Schaukelstuhl. Kein Wunder nach 9 Stunden brav im Auto sitzen. Ich sehe überall in der Wohnung die kleinen Geschenke, Kärtchen und Kalender, der letzten Jahre. Wie schön, so präsent zu sein. Unser Lebkuchenherz, das wir vor Jahren gemacht hatten ist neulich in 1000 Stücke zerbrochen. Ich habe einen Lebkuchen Uhu mitgebracht. Der Nagel ist noch drin. Passt perfekt. Den Uhu hatte ich auf DEM (Breitscheitplatz) Berliner Weihnachtsmarkt gekauft. Vor ca. 2 Wochen.

18:50 Uhr. Verabschiedung und gegenseitiges frohes Weihnachten wünschen. Wir fahren nun über den Pfannenstil zu meiner Mutter an den Zürichsee.

Um 19:15 Uhr kommen wir an. Grosses Hallo und Umarmungen. Endich. Wir haben’s geschafft. Es gibt Spaghetti und Rotwein. Willkommen in der Schweiz.