Ein Mikrojob

Ich bekam neulich eine Mail (keine Ahnung, woher die meinen Kontakt hatten) ob ich nicht Lust hätte, von Zeit zu Zeit an Befragungen teilzunehmen. Eine Firma, mit Sitz in der Schweiz, suchte immer wieder Personen, für ein zwei Stunden, die irgendwas testen oder über ihr Konsumverhalten Auskunft geben sollen. Wenig Aufwand, gute Bezahlung. Die Tests laufen über Skype oder man muss irgendwo hin fahren. Also genau das richtige für mich. So als finanziellen Happen für Zwischendurch. Man hat sogar die Wahl zwischen Euro und Schweizer Franken.

Wenn man sich da eingeloggt hat, bekommt man dann im Vorfeld ein paar Fragen zu geschickt, ob man überhaupt passt oder nicht. Die erste Testeinladung scheiterte, ich entsprach nicht dem gesuchten Profil. Bereits die zweite versprach Erfolg. Die suchten für eine Medien-Plattform jemanden, der das testet. Und zwar life und in Berlin. Ich meldete mich und wir fanden nach kurzem hin und her einen passenden Termin. Freitagmorgen um 9 Uhr. Wunderbar. Ich fuhr mit Tram und U-Bahn an die mir zugeschickte Adresse. Ich stand vor einem Wohnhaus. Keine Spur der bekannten Firma. Ich suchte mal im Hinterhof, fragte im Café. Die Leute kannten zwar die Firma, aber wussten nicht, dass die da in der Nähe irgendwo sein sollte. Mein erster Anruf ging an die Dame in der Schweiz, die das Ganze organisiert hatte, sie meinte, ich soll direkt bei der Firma anrufen. Da ging niemand ans Telefon. Wieder zurück zur Schweizerin, dann nochmals ein Versuch, bei der Dame vor Ort. Es schneite und meine Finger fingen an abzufrieren. Mir war klamm. Da stand ich also. Irgendwo in einem Kreuzberger Hinterhof, umgeben von super gestylten Büros junger Start-Up Unternehmen. Ein Typ sah mich, hatte Mitleid und liess mich dann in sein Büro rein. Morgens um 9 Uhr war es da noch ganz ruhig und er und ich waren die einzigen. Er schmunzelte und führte mich zu seinem Rechner. So, lass mal sehen. Wir googelten die Firma, für die ich genau in diesem Moment anfangen sollte, ihre neue Plattform zu testen.  Die Adresse im Netz war die, bei der ich war, also war ich theoretisch am richtigen Ort. Ich versuchte erneut jemanden zu erreichen.

Endlich hatte ich die Dame von der Test-Firma an der Strippe. Wir fanden dann heraus, dass ich eigentlich an der Sonnenallee sein müsste. Rund 30 Minuten mit dem öffentlichen Verkehr entfernt. Und dass das die Organisatorin gewusst hätte und ich soll doch jetzt bitte so schnell wie möglich vorbei kommen. Ich weigerte mich, weil ich bereits um 10:30 Uhr meinen nächsten Termin hatte und weil die mich ohnehin schon total nervten. Mal wieder typisch Berlin, dachte ich. Während ich bereits wieder auf dem Nachhauseweg war, liess ich ein Schuldzuweisungs-Ping-Pong zwischen der Schweiz und Deutschland über mich ergehen und freute mich insgeheim auf einen warmen Tee. Fazit der Geschichte: Die Schweizerin entschuldigte sich bei mir und verspach mir, das Geld innerhalb von zwei Wochen zu überweisen und die Dame von der Deutschen Firma meinte, sie hätte nichts damit zu tun und ich müsste selber schauen. Soviel zu dem. Und ja, das Geld kam. Aber ich wurde bis jetzt nie mehr ausgesucht. Da muss ich mir wohl einen anderen Job suchen.