Wohnungssuche

Was, ihr zieht nach Berlin? Echt? Freiwillig? Ok. Lohnt sich das? Seid ihr sicher? Ah, cool. Das war so ungefähr die Reaktion unseres Umfeldes, als wir relativ kurzfristig darüber informierten, dass wir dann mal weg sein werden. Unbefristet. Wir hatten knapp drei Monate Zeit, uns darauf einzustellen Zürich den Rücken zu kehren. Wir verfassten Kündigungen, sagten unseren Freunden, Nachbarn und Verwandten tschüss und versuchten, unsere Gartenmöbel loszuwerden. Wir schrieben Listen, sortierten aus und entsorgten. Wir suchten auch noch ein Plätzchen für Frau Büsensen (die Katze), aber niemand konnte sich richtig für sie entscheiden und so kam sie halt mit.

Man brachte uns mit Mandy in Kontakt, einer Relocation Managerin. Sie sollte dafür sorgen, dass wir eine Wohnung, ein Bankkonto und einen Internetvertrag bekommen sollten. Und zwar möglichst termingerecht. Wir schrieben ihr also ein nettes Mail mit unseren Wunschvorstellungen, die in etwa so aussahen: Charmante 4-Zimmer-Altbauwohnung mit Balkon und Badewanne, vorzugsweise ab 3. OG, damit wir auch ja genügend Licht bekämen. Einbauküche (für Berlin keine Selbstverständlichkeit) und nach Möglichkeit einen Fahrstuhl. Familienfreundlich und bezahlbar ist ein plus. Das war klar. Sollte doch für Berlin alles kein Problem sein. Oder? Tja. Weit gefehlt. Die Angebote die uns Mandy mailte, verliefen diametral. Entweder entsprachen die Wohnungen unserem Budget, waren dann aber jenseits unserer ästhetischen Vorstellungen oder dann war’s  die perfekte, aber leider unbezahlbare Wohnung. Wir merkten schnell, dass die guten alten Zeiten, in Berlin billig und gleichzeitig stilvoll zu wohnen, vorbei waren. Schlechtes Timing, wie man so schön sagt. Wir mussten einen Kompromiss finden. Ein Zurück gab’s nicht. Der Vertrag war unterschrieben. Wir flogen also für 4 Tage nach Berlin.

Schon im Vorfeld lernten wir dass tolle Wohnungen innerhalb weniger Stunden vergeben werden. Man verabredet sich mit dem Makler und wenn alle Papiere stimmen und man bereit ist die immense Maklerprovision hinzublättern (2 Nettowohnungsmieten) kann man, wenn die Wohnung nicht gerade renovierungsbedürftig ist, am nächsten Tag mit der Schlüsselübergabe rechnen. Wir verbrachten Stunden damit, alle möglichen Wohnungssuchportale abzugrasen. Die eine Wohnung entsprach genau unseren Vorstellungen. Der Makler, ein sympathischer Österreicher machte uns Hoffnungen, dass der Deal zu Stande käme. Da wäre nur noch etwas. Er benötige die Provision in bar. Leider konnten wir ihm diesen Wunsch nicht erfüllen. Wir hörten nie mehr etwas von ihm und unser erster Wohnungsdeal war geplatzt. Also suchten wir weiter.

Mandy kam wieder ins Spiel. Sie hatte eine Besichtigungstour durch die ganze Stadt organisiert. Ca. 5 Wohnungen pro Tag in den verschiedensten Stadtteilen. Sie meinte, Moabit sei voll angesagt. Wir sollen uns da niederlassen. Der Prenzlauer Berg sei zu überlaufen und zu überteuert. Anfangs dachten wir, wir seien offen für alles. Wir merkten aber schnell, dass das so nicht ganz stimmte. Gewisse Quartiere gingen gar nicht. Mandy fuhr mit uns Kilometerweit durch die Stadt von A nach B nach C. Für Pausen hatten wir keine Zeit, von Kaffee ganz zu schweigen. An dieser Stelle ist vielleicht zu erwähnen, dass tropische vierzig Grad herrschten und ich im 7. Monat schwanger war. Mit Kind Nummer 2.

Die Hoffnung sank mit jeder Wohnung, die wir auf der Liste durch strichen. Mandy hatte leider nicht verstanden was wir suchten. In ihrem amerikanischen Deutsch sagte sie immer wieder, easy, ich mache das schon so lange, wir finden eine tolle Wohnung für euch. Ich nahm ihr dieses lässige Getue nicht ab und mir graute von der Vorstellung in einer Übergangswohnung zu landen, bis wir die perfekte Wohnung gefunden hätten. By the way erzählte sie uns, dass Berlin die Hochburg für sich trennende Paare sei. Das Angebot an neuen, spannenden Leuten sei riesig. Und da verliebe man sich auch einfach mal schnell und formiere sich in einer neuen Familiensituation wieder. Patchwork ist total modern. Das sei nicht so schlimm, bei ihr wäre es auch so gewesen. Kein Problem. Berlin halt. Ich atmete tief ein und aus, wie ich das im Schwangerschaftsyoga gelernt hatte und versuchte dabei so entspannt wie möglich zu bleiben. Tolle Aussichten, dachte ich mir. Und dann legte sie noch nach. Und ja, vor allem Paare, die ihr zweites Kind bekommen hätten, da würde es dem Mann langweilig werden oder die Frau findet, sie müsse ihr angekratztes Ego beim Nachbar im Bett aufpeppen. Wie auch immer. Tag zwei war durch und wir hatten sie noch immer nicht. Unsere Wohnung. Tag drei lief nicht anders. Bei jeder Wohnung war irgendein Haken. Einzugstermin erst viel zu spät, weil noch renoviert wurde, zu viele Ausgaben für Küche und sonstige Haushaltgeräte, Zimmeraufteilung, Lage, Stockwerk etc.

Während ich auf Mandys Rückbank sass, suchte ich auf den unzähligen Immobilienportalen selbstständig nach Wohnungen. Und da sah ich sie. Unsere Traumwohnung! Mitten im Prenzlauer Berg. Mit Küche und Balkon, Stuckatur und wunderschönen alten Dielenböden. Ich verabredete mich per Mail für den nächsten Morgen früh (vor Mandys Tourbeginn) mit der Maklerin. An unserem letzten Tag, morgens um 8.30 Uhr,  mit 20 Minuten Verspätung, weil wir den Weg mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln falsch kalkuliert hatten, rannten wir zu unserer Verabredung. Die Maklerin wollte eben in ihr schmuckes Auto einsteigen. Sie gab uns dann doch noch eine Chance, vielleicht weil sie befürchtete, ich würde auf der Stelle das Kind Nr. 2 gebären, wenn sie uns nicht einliess. Also erbarmte sie sich und zeigte uns in die Wohnung. Und. Halleluja. Es war sie. Unsere Wohnung. Sie war perfekt. Wenn auch mit einem Zimmer zu wenig und nur im 2. Stock aber wir hatten sie gefunden. Ich sah mich schon auf dem Balkon sitzen,in der Sonne ein Buch lesen und ab und an den TV-Turm in der Ferne aufblitzen. Berlin wir kommen! Aber halt, da war noch was.  Was denn noch? Wir hatten natürlich keine Deutsche Schufa. Wir hatten nur das Schweizer Pendant dazu. Einen makellosen Betreibungsauszug. Aber die liebe Maklerin wollte halt eben was Deutsches. Und so beisst sich die Schlange selbst in den Schwanz. Ohne Deutsches Bankkonto gibt’s keine Schufa. Ohne Deutsche Wohnadresse kein Bankkonto. Wie können wir das lösen, liebe Frau Maklerin, wir möchten so gerne diese Wohnung haben. Unsere Vermieterin in Zürich schrieb dann ein Empfehlungsschreiben, dass wir die letzten zehn Jahre immer pünktlich die Miete überwiesen hätten (was auch stimmte). Dies plus Kopie des Arbeitsvertrages und der Pässe liess sie dann erweichen.  Ihr Anruf erreichte uns, als wir schon wieder in Zürich waren. Und eine riesen Last fiel von unseren Schultern. Ich wusste, ich würde mich hier wohl fühlen. Mandy hatte ein gutes Geschäft gemacht und ich war froh, von ihrer Rückbank und ihren Berliner-Horror-Geschichten befreit zu sein.

Wir haben übrigens im 25hours Hotel gewohnt. Mehr dazu findest Du in meinen Tipps.

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