Das Leben ist ein Ponyhof!

Es ist soweit. In den Herbstferien fahren wir für ne Woche auf den Erlebnisbauernhof Gross Briesen. Nur ich und Maus. Mips und der Gatte bleiben zuhause. Elternzeit sei Dank.

Die Frage ist. Wer ist aufgeregter? Ich oder Maus. Definitiv ich. Um es auf Schweizerdeutsch auszudrücken. Ich bin fast am vergizeln (es fast nicht mehr aushalten). Und es ist nicht irgendein Reiturlaub, nein! Es sind Islandpferde!!! Jaaah!

Als ich angefangen habe zu reiten, war ich etwa so alt wie Maus jetzt. Also 5 Jahre alt. Mit Wendy-Abo, eigener Putzkiste, Islandpullover und später dann auch mit eigenen Pflegepferden (aber nur Isis, wie man so schön sagt). Das zog ich durch bis ich mich dann mit zwanzig davon (mit Tränen) verabschiedete (vom Wendy-Abo natürlich schon früher).

Nun sind in der Zwischenzeit 15 Jahre vergangen und drum bin ich total glücklich, meine Tochter in die Welt der Isländer und des Reitens einzuführen. Gross Briesen wir kommen!

hoiberlin_fohlen.jpg

Als wir endlich auf dem Reithof ankommen, wird uns ein Zimmer zugeteilt.  Zu viert teilen wir uns ein Mehrbettzimmer mit Etagenbetten. Zum Glück zusammen mit meiner Freundin und ihrem Sohn. Bettwäsche haben wir im Gepäck und so machen wir uns daran, uns einzurichten. Die Ausstattung ist sehr einfach. Aber was braucht man mehr, wenn man sich für eine Woche vorwiegend im Stall und auf der Weide aufhält. (Das nächste Mal nehme ich einfach meine eigene Seife mit.)

Tagwache ist um 07:30 Uhr. (Für uns total gewöhnungsdürftig, da wir Schlafmützen sind). Ebenfalls gewöhnungsbedürftig sind die vielen Leute und das Zurecht finden. Die Woche gestaltet sich so, dass man immer morgens und nachmittags eine Reit-oder Pferdesession hat. Wer holt wann welches Pferd, wann muss man wo sein? Wenn die Glocke läutet, versammelt man sich auf dem Hof und kriegt ne Ansage.

Meine grösste Sorge ist es, nicht gleichzeitig mit Maus Kurs zu haben. Ich merke relativ schnell, hier wird nicht lange "gehäschelt und getätschelt". Die Kleinen werden voll ins kalte Wasser geworfen und müssen selber sehen, wo sie bleiben. Leider hat es wie an vielen Orten zu wenig geschultes Personal. Ich bin dankbar, dass ich bereits einen Erfahrungsschatz rund ums Pferdehofleben mitbringe. Ansonsten würd ich's glaub nicht lange aushalten. 

Da Herbstferien sind, ist's sehr voll und wir sind auf zwei Schichten aufgeteilt worden. So ist die Chance grösser, einen Platz im Essraum zu ergattern. Mittags gibt's eine warme Malzeit und abends kaltes Buffet. Ich finds super, mal nicht selbst kochen zu müssen und das Essen schmeckt sehr lecker. 

Abends wird jeweils der folgende Tag besprochen und die Pferde zugeteilt. Selbstverständlich wird auf die individuellen Wünsche eingegangen. (Nach zwei Tagen haben wir beide bereits unser Lieblingspony). Das Spektrum ist breit. Für die Kinder gibt's Fohlen kuscheln, Pony bemalen, Schrittrunden, Longe oder Voltigieren. Für die Fortgeschritteneren stehen Ausritte (je nach Können), Dressurreiten, Töltkurse, Logierkurse, Sitzschulung und Bodenarbeit zur Auswahl. 

Mit Reitaktivitäten kommen wir defintiv nicht zu kurz, im Gegenteil. Meine Beine brennen und ich sinke jeden Abend zusammen mit Maus gegen 20 Uhr müde, aber glücklich ins Bett.

Ohne mit der Wimper zu zucken, holt Maus morgens ihr Pferd von der Weide, wie wenn sie nie was anderes gemacht hätte. Ich muss zugeben, dass dies bei mir massive Adrenalinschübe auslöst und ich jedes Mal ein Stossgebet ausstosse, wenn sie heil am Platz ankommt. (Innerlich bin ich in Panik, eines der Pferde könnte austreten, ihr auf den Fuss stehen oder ausreissen.)

Aber die Woche verläuft unfallfrei. Zum Glück.

hoiberlin_mausreitet.jpg

Unser Fazit:

Trotz meinen Anfangsschwierigkeiten beim Reiten und meinen Ängsten um Maus (wie war ich gelassen, als ich noch jünger war...) war die Woche ein Erfolg. Wir genossen unsere Zeit zu zweit enorm und die frische Luft tat uns unglaublich gut.

Dennoch finde ich den Einstieg ins Reiten mit fünf Jahren zu früh. Zumindest im Rahmen eines Reitlagers mit fast 100 Personen. Oft habe ich beobachtet, dass die Kinder noch gar nicht in der Lage sind, die Pferde einzuschätzen. Sie haben keine Kraft sich bei ihnen durchzusetzen oder es alleine einzufangen. Zudem wird auch ganz oft der Abstand zum Pferd nicht eingehalten (eine Pferdelänge, falls es ausschlägt). Satteln und Aufzäumen klappt auch erst bei den Grösseren.

Meine persönlichen Highlights waren definitiv die Galoppausritte in die Umgebung und das Lagerfeuer. Der Herbst zeigte sich von seiner schönsten Seite und ich sah ganz viele wunderhübsche Fliegenpilze und zwischendurch auch mal ein Reh. Für mich gibt es kaum ein schöneres Gefühl sich mit der Natur zu verbinden, als auf dem Rücken eines Islandpferdes. Und wir werden ganz bestimmt wieder kommen, wenn Maus etwas grösser ist. Vielleicht in ein, zwei Jahren.

Ich nehme nächstes Mal wie gesagt meine eigene Seife, einen Föhn und Wanderschuhe mit. Schminke, Bücher und Unterhaltung lass ich zuhause.

Übrigens, Reithosen und Stiefel habe ich aus zweiter Hand über ebay Kleinanzeigen gekauft. Wenn du lieber eine neue, preiswerte Ausrüstung möchtest, empfehle ich bei Decathlon reinzuschauen. Als Reithelm reicht auch ein Fahrrad- oder Skihelm.