berlin, du hast mich voll erwischt!

Seit Freitagabend tingle ich durch meinen alten, vertrauten Kiez, schwärme nach Kreuzberg aus, treffe auf alte Vertraute und unbekannte Bekannte. Ich schwimme wie ein Fisch durch heimisches Gewässer und fühle mich pudelwohl in meiner alten Hood. Ein Hallo da, ein Nicken dort. Es fühlt sich an, als wäre ich nie weg gewesen.

Der Typ vom Späti winkt mir zu und ruft, hallo wie geht's? Hat er überhaupt realisiert, dass ich es bin und ich eigentlich gar nicht mehr hier lebe? Er scheint es nicht auf dem Schirm zu haben, obwohl wir unsere letzte Cola vor der langen Fahrt in die Schweiz bei ihm am Klapptisch getrunken haben.

Ich schlucke leer.

Seit wir umgezogen sind, ist es nun schon das zweite Mal, das ich Berlin besuche. Ein paar Kleinigkeiten haben sich geändert. Läden sind geschlossen, Renovationsarbeiten sind endlich fertig gestellt, dafür ist die Strasse an anderen Stellen aufgerissen. Meine (ehemalige) Nachbarin, die ich per Zufall treffe, erzählt mir, dass vor zwei Tagen neue Leute in unsere Wohnung eingezogen sei. Unsere Nachfolger.

So ist es eben. Das Leben geht weiter. Der Herbst ist da, die Blätter rascheln. Man kann herrlich durch die Laubhaufen schlendern. Vor drei Jahren kam genau um diese Zeit Mips zur Welt. In Berlin. Nun ist sie ein Zürcher Meitli, spricht nur noch Schweizerdeutsch und wird sich wohl später nicht mehr an ihre ersten Berlinerjahre zurück erinnern. Das ist das Leben und für mich ein Grund mehr, mich endlich an die Fotoalben zu setzen. (Tipps dazu sind herzlich willkommen).

Ach Berlin. Wieso sind wir soweit weg, wieso trennen uns 900 Kilometer? Jetzt wäre ich gerade so weit, mich wieder auf dich einzulassen, dich zu nehmen, wie du bist, mich zu dir zu bekennen und dich an die Hand zu nehmen. Aber ich bin jetzt in Zürich zuhause und da gibt's auch ein paar schöne Seiten und das Leben meint es da gut mit mir. Aber irgendwie bist du mir gerade näher. In deiner unperfekten Art, wie nur du es sein kannst. 

Es fühlt sich an, wie auf einen altbekannten Exfreund zu treffen. Eigentlich dachte ich, wir haben's hinter uns gebracht. Uns im Frieden getrennt und nun schmerzt es mich, wenn ich an den Abschied denke. Maus geht's genauso. Sie hat beim Anblick unserer Strasse geweint. Es war dunkel. Auch ich musste mir ein paar Tränen wegwischen.  Sie hat's nicht gemerkt. Aber so spielt das Leben.

Wir geniessen unsere Berliner-Tage, saugen sie auf, als wären sie die letzten. Jede Begegnung ist Besonders und intensiv. Die Dinge, die mich die letzten Jahre gestört haben, übersehe ich und denke mir, das ist halt Berlin wie es leibt und lebt. Mein Blick hat sich geändert, aber dennoch ist alles vertraut und gewohnt. Ich stelle mir vor, wenn mich Leute auf der Strasse sehen, die mich wie ich sie vom Sehen her kenne, denken, ach ja, die. 

Berlin, du bleibst immer ein Teil von mir und ich komme so oft es eben geht. Eigentlich eine schöne Vorstellung, in zwei Welten zu Hause zu sein. Auch wenn's manchmal nicht ganz leicht ist, versuche ich diesen Spagat hinzukriegen. Übung macht ja bekanntlich den Meister. 

Es bleibt spannend...

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