Sorry lieber Nikolaus, aber wir haben dieses Jahr leider keinen Stiefel für dich

Wir schreiben, den 6. Dezember 2017 und eigentlich weiss jedes Kind, ab schätzungsweise drei Jahren, dass es spätestens am heutigen Tag einem Mann mit weissem Bart und rotem Gewand begegnen wird. Sei es einem Billig-Chlaus im Einkaufszentrum oder einem hochwertigen Qualitäts-Chlaus im Wald. Bei uns in der Schweiz ist das zumindest so.

Ach ja, und wir sagen Samichlaus, nicht Nikolaus. 

Bereits als Kind war der Samichlaus-Tag mein erstes Highlight vor Weihnachten, nebst den bisher aufgemachten fünf Türchen beim Adventskalender. Meine Kindheits-Samichlaus-Erinnerungen drehen sich um Waldhäuschen, unendlich langen weissen Bärten, tiefe Stimmen, ein Poltern an der Türe, das durch Mark und Bein ging und diese Mischung aus Nervosität und Aufgeregtheit, die ich später dann erst wieder verspürte, als ich Jungs datete.

Die Frage war immer, bekommt man eine Fitze (geflochtene Rute) oder wird man in den Sack gesteckt und mitgenommen? 

Eine Zumutung und eigentlich ein Alptraum, wenn ich so überlege. Was tat man da den Kindern an? Es sollte doch eine schöne Tradition sein. Und wieso diese Angstmacherei? Naja, in meiner Generation war's glaube ich langsam vorbei mit diesem in den Sack stecken und Fitzen und so. Zumindest bei mir. Bei meinen Eltern war das noch was anders. Da gab's aber auch unter dem Jahr Schläge. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Ha, ha. Nicht Ho, ho.

Einmal, ich schätze so mit 14 oder so, hatte ich die glorreiche Idee, einen echten Esel zum Pfadfinder Samichlaus-Abend mitzubringen. Wir kannten jemanden mit einem Esel namens Layla , den ich mir ausleihen durfte. Wir waren zu dritt, um Layla abzuholen. Wie sich herausstellte, eine Person zu wenig, denn etwa in der Hälfte des Weges streikte sie und wollte nicht weiter.

Mir wurde mit einem Schlag klar, woher der Ausdruck sturer Esel kam. Der Rest der Geschichte ist legendär. Wir mussten doch tatsächlich dieses bockige graue Vieh querfeldein bis zur Hütte tragen! Kein Witz. Als wir endlich da waren, war der Samichlaus schon längst weg und wir mussten rechtsumkehrt machen.

In Zürich kannst du dir deinen Samichlaus online nach Hause bestellen

In der Schweiz ist es häufig so, dass der Samichlaus zu einem nach Hause kommt.  Selbstverständlich müssen das die Eltern rechtzeitig arrangieren und bezahlen. Nichts ist schliesslich umsonst und es gibt auch keine Chläuse, die zum Spass und mit einem mit Leckereien gefüllten Sack einfach mal so bei euch an der Türe klingeln, auch in der Schweiz nicht. Die Kinder sagen dann ihre Verse und Sprüche auf, der Chlaus liest die Leviten oder spricht Lob aus und  verteilt zum Schluss ein paar Nüsse, Mandarinen, Lebkuchen und Schokolade oder lässt den Sack gleich ganz da. 

Es gibt aber auch Möglichkeiten, den Chlaus im Wald zu besuchen (z.Bsp. im Waldhüsli im Chäferbergwald). Das machen wir. Das ist unpersonalisiert aber den Kindern gefällts. Der Samichlaus sitzt in seinem Häuschen, zusammen mit Schmutzli (seinem Gehülfen im schwarzen Gewand) und liest eine Geschichte vor. Draussen stehen zwei Esel (und häufig ganz viele andere Famiien mit Kindern, aber da muss man drüber weg sehen), ein Lagerfeuer brennt, es riecht nach Tannenzweigen und nach Wald.

Ich hatte das in den letzten Berliner-Jahren vermisst und freue mich sehr auf heute Nachmittag. Natürlich habe ich auch nicht vergessen, das traditionelle Schweizer Samichlaus Gebäck zu backen. Zur Feier des Samichlaus-Tages gibt's Grittibänzen (Weckmänner)! Aber erst zum Abendbrot, wenn mir zusammen mit Freunden essen und feiern.

Auf Pinterest habe ich eine Weihnachts Pinnwand gemacht und da ein paar Grittibänzen Rezepte gepinnt. Wer möchte, kann sich gerne inspirieren lassen und findet einfache Anleitungen, wie man seinen eigenen Bänz backt:

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Und wie war's in Berlin?

In Berlin hatten wir am Vorabend des 6. Dezember die Stiefel sauber geputzt und vor die Wohnungstüre gestellt.

In Deutschland kommt der Nikolaus in der Nacht vorbei und füllt die Stiefel mit Leckereien und kleinen Geschenken. Was kommt in den Stiefel? Mutti So Yeah! hat's aufgeschrieben. Nur so als Idee.

Letztes Jahr war's dann tatsächlich so, dass wir (also wir Eltern, als die Kinder geschlafen haben) die Stiefel füllten, sie über die Nacht reingenommen haben, weil wir nicht wollten, dass sie geklaut werden, und sie dann frühmorgens wieder vor die Wohnungstür gestellt haben. 

Natürlich waren Maus und Mips an jenem Morgen besonders schnell wach, haben die Wohnungstüre aufgerissen und schnell nachgeschaut. Am Abend gab's dann bei uns traditionell nach Schweizer Art, selbst gebackene Grittibänzen, Mandarinen, Schokolade, Nüsse und Lebkuchen. Und. Ein Nachbar von uns war so lieb, bei uns an die Türe zu poltern, um zwei Chlaus-Säcke für die Kinder davor zu stellen. So hatten unsere Mädels den Nikolaus am Morgen und den Samichlaus am Abend. 

Sorry lieber Nikolaus, aber wir haben dieses Jahr leider keinen Stiefel für dich. 

Dieses Jahr haben wir uns aber von den gefüllten Stiefeln verabschiedet. Wir sind jetzt ja wieder in der Schweiz und feiern mit dem Samichlaus im Waldhaus und abends mit Freunden. Ich finde, das reicht. Oder nicht?