Zwischen den Jahren, zwischen den Welten

Heute ist der 30. Dezember. Einen Tag vor Jahresende 2017.

Heute Morgen kam ich in den Genuss einer ayurvedischen Ölmassage. Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal massiert worden bin. Aber ich mag es. Der Masseur, ein zurückhaltender, japanisch aussehender Mann um die fünfzig überliess mich mit ruhigen, repetitiven Bewegungen und ganz viel Öl meinen Gedanken. Ich versuchte, an Nichts zu denken.

Als er auf einen besonders hartnäckigen Punkt stiess und ich vor Schmerz aufstöhnte, hielt er kurz inne und sagte: Lass es gehen.

Ich wusste genau, was er damit meinte und ich war kurz davor, in Tränen auszubrechen. 2017 war stürmisch. Ich war auf hoher See und musste bestimmen, wohin ich mein Schiff steuern soll. Unser Schiff. Unsere Familie. In stundenlangen Gesprächen mit meinem Mann, in denen ich zwischen Herz und Verstand hin- und hergerissen war, musste ich, mussten wir entscheiden. Unser Schiff steuerte im August Zürich an. Die Wellen waren hoch und wir wussten nicht, ob wir heil ankamen.

Für uns bedeutete dieser Entscheid, unsere Komfortzone zu verlassen. Berlin ein stückweit aufzugeben. Unser Feld zu räumen, zusehen, wie andere in unsere wunderschöne Altbauwohnung einziehen werden. Den Erzieherinnen in der Kita, den besten Freundinnen von der Schule und der Kita adieu zu sagen, unserer Strasse, dem Späti nebenan, dem Pfandsammler, den liebgewonnen und zum Teil neu gewonnen Freunden bis auf weiteres tschüss zu sagen.

Wir sind heil angekommen. Dürfen wieder unser altes Häuschen mit Garten bewohnen, haben dieselben tollen Nachbarn, haben frische Luft und gute Jobs. Sind Nahe von Familie und Freunden und geniessen den Komfort, zurück in der Heimat zu sein.

Ich muss zugeben, dass es mich weniger geschmerzt hat, damals vor 3,5 Jahren die Schweiz zu verlassen, als diesen Sommer Berlin.

Erst recht, als viele sagten, sie hätten rund 3 Jahre gebraucht, um in der grossen Stadt anzukommen. Nun sind wir seit 5 Monaten zurück und gestern musste ich weinen, als mir unverhofft das Brandenburgertor in einer Netflix Serie begegnet ist.

Berlin, du fehlst mir so! Ich habe Liebeskummer.

Und was macht man gegen Liebeskummer? Was mach ich bei Liebeskummer? Ich räume auf. Ich ordne, was das Zeug hält. Ich erledige und lenke mich ab. So habe die Tage zwischen den Jahren genutzt. Habe ausgemistet, mein Zimmer, die Kinderzimmer, die Magazine und Bücher, Akten und Dingesdinge.

Zum ersten Mal seit Jahren sind wir zuhause zwischen den Jahren. Nicht in den Bergen. Selten gab’s so viel Schnee, wie dieses Jahr. Selten hab ich so viel aufgeräumt, wie die letzten Tage. Ich möchte für 2018 vorbereitet sein. Möchte Balast abwerfen und einen reinen Tisch haben.

Lass es gehen. Ja, das mach ich.

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Für das neue Jahr wünsche ich mir mehr offline Zeit. Wieder mehr Zeit für’s Wesentliche, was für mich heisst Bücher zu lesen, Briefe zu schreiben, anzurufen statt SMS zu schreiben, Freundinnen zum Essen treffen, ein Tagebuch zu führen, bewusster auf’s Essen zu achten, weniger Müll zu produzieren, viel zu Reisen und zu entdecken und mich nicht durch Soziale Medien verrückt machen zu lassen.

Und natürlich Gesundheit für uns alle. Das ist das wichtigste Gut, wie ich in diesem Jahr wieder einmal mehr hab merken müssen.

Maus wünscht sich für’s neue Jahr, öfters ins Schwimmbad zu gehen, weniger frech zu sein und mehr Lakritzeschnecken.

Mips wünscht sich ein Einhorn, einen echten Zauberstab und ein Spinnennetz für die Spinne unter ihrem Schreibtisch.

Frau Büsensen noch mehr Streicheleinheiten, ab und zu frischen Fisch und ein eigenes Schaffell.

Und der Mann wünscht sich mehr Walden, Campvibes und Zeit in den Bergen.

Und ihr? Was wünscht ihr euch?

Mögen sie in Erfüllung gehen. Die kleinen und grossen Wünsche.

Guten Rusch schon mal von meiner Seite und vielen Dank für eure Treue! Die ist unbezahlbar!