Und was machst eigentlich du so?

Letzte Woche hatten wir in der Kita Samichlaus Abend. Es war schön, mal mit ein paar anderen Eltern ins Gespräch zu kommen die man sonst nur beim aus der Türe Rausgehen oder Reinkommen kreuzt. Solche Anlässe sind aber nicht unbedingt mein Fall, weil man ziemlich schnell zu dem Punkt kommt, wo man sich erklären muss. Was und wo man arbeitet und was man da so macht.

Und was machst du beruflich?

Irgendwie schwierig. In meinem Fall zumindest. Und das war schon immer so. So oft habe ich mir schon gewünscht, ich hätte einen soliden Beruf gewählt, den ich an solchen Anlässen mit einem Satz bringen und dann zu spannenderen Themen weiterspringen kann. Aber nein, schon als Kind war ich nicht die mit einem klaren Berufsziel. In den „Meine Freunde Büchern“, die ich ausgefüllt habe, stand einmal Konditorin, einmal Laborantin, einmal Reisebüro Mitarbeiterin.

Berufe wie Bloggerin oder Content Creator gab’s damals noch nicht und auch heute stehen diese Berufsbezeichnungen noch etwas wackelig auf den Beinen, es sei denn man ist ne krasse Nummer mit Followern auf Instagram und Facebook bei denen nur noch ne Zahl und ein grosses K da steht. Und mit Klickzahlen, die eine normalsterbliche Hobby-Bloggerin wie mich, aussehen lässt, wie einen Zwerg mit Hut, der einsam und auf weiter Flur an seinem Cupcake knabbert, weil er kein Stück vom grossen Kuchen abbekommen hat und auch nie wird.

Nun. Es kam so, wie es kommen musste und ich traf auf ein paar sympathische Menschen, mit denen ich ins Gespräch kam. Die Frage, aller Fragen ploppte auf. Und Du? Was machst Du so? Ich antwortete dann relativ souverän (und ich denke, wenn man mich nicht kennt, wirke ich sehr selbstbewusst), dass ich freie Autorin bin und für verschiedene Online Plattformen arbeite. Stimmt ja auch. Ist nicht gelogen, aber wohl fühlen tu ich mich damit nicht. Aber wieso eigentlich?

Irgendwie komme ich mir einfach doof vor. Ich habe es auch schon damit versucht, einfach zu sagen, ich schreibe. Aber dann wollen sie wissen, was genau? Bücher? Oder für die Zeitung? Aha, für einen Blog? Kannst Du denn von so was leben? Eine berechtigte Frage. Und nein, noch nicht, aber vielleicht hilft es mir ja für andere Jobs.

Aber als was soll ich mich denn nun bezeichnen? Als Freigeist, als Hausfrau und Mutti mit nem Blog, als passionierte in die Tasten Hauerin oder als kreative Inhaltsgeneratorin? Logischerweise überfordere ich mein Gegenüber genauso, wie es mich selbst überfordert.

Als was soll ich mich denn bitte bezeichnen? So helft mir doch!

Ich habe das Gefühl, mich zu verzetteln. Naja, ich erzähle etwas über Hoi Berlin und was man da so antrifft. Das Leben eben. Lifestyle, Familienthemen, ganz viel Berlin, aber auch über viel anderes. Bringe es auf den Punkt, sag ich mir. Diese drei Sätze, was du machst und über was du bloggst, übst du an jedem Bloggertreffen. Es ist das A und O und ich hab’s auch schon genug oft gemacht. Was ist denn nur los?

Meine Kinder unterbrechen mich zur Abwechslung mal nicht. Sie lassen mich reden. Ausgerechnet jetzt, wo ich zwischendurch froh wäre, aus dieser Erklärungsnummer rauszukommen. Maus kümmert sich liebevoll um Mips, organisiert Getränke und Essen und spielt mit ihr.

Dann das Thema Berlin, von den Unterschieden im Vergleich zu Zürich. Heimweh, Fernweh. Wo ist’s besser. Ich weiss es doch auch nicht! Mensch, überall diese Fettnäpfchen. Meine Gegenübers erzählen was sie so machen. Sie haben klar definierte Jobs bei renommierten Unternehmen und ich denke wow.

Irgendwie stresst mich die Situation, über den Job definiert zu werden. Aber es ist wohl was ganz normales.

Ich glaube, es liegt daran, dass ich mit Hoi Berlin noch kein anständiges Geld verdiene. Mein Alltag wird durch einen Moneyjob finanziert und der Blog schwemmt ab und an ein paar Hunnis rein oder ein paar tolle Produkte. Ich sehe Hoi Berlin als mein Portfolio, als Eintrittsticket in eine neue Welt. Er soll mir Tür und Tor öffnen, dass ich als Autorin ernst genommen werde und bezahlte Schreibjobs bekomme. Genau. Aber das in einen Smalltalk zu packen, geht irgendwie nicht. Aber soweit so gut. Hauptsache, ich weiss was ich will.

Ich glaube am Ende ist es gar nicht so wichtig, als was ich mich bezeichne, es ist wichtig, dass ich mich wohl fühle in dem was ich mache und wie ich es mache. Ich überlege mir einfach für den nächsten Elternabend (und weitere Gesprächsrunden mit fremden Menschen) eine Berufsbezeichnung, die mit einem Satz alles erklärt. Ideenvorschläge willkommen! Und wappne mich schon mal mit ein paar guten Antworten.

Und hey, es geht mir gut, keine Sorge. Ich hatte nur gerade drei Stunden Zeit, auf einer entspannten Zugfahrt von Zürich nach Arosa über all diese Dinge nachzudenken.