Gemischte Gefühle und eine Butter

Der Countdown läuft - Wir ziehen wieder zurück nach Zürich

Oh jeminehh. Mir ist jeden Tag ein bisschen wehmütiger ums Herz. Die Organisation rund um den Monster-Umzug Berlin-Zürich ist schon voll im Gange, wir schlagen unsere Zehen an herum stehenden Kisten an, ich backe mitternachts Kuchen für Abschiedsfeste, unsere to-do Listen scheinen sich täglich zu verlängern, statt zu verkürzen und meine Gefühle fahren Achterbahn.

Gestern hatte ich einen Termin auf dem Bürgeramt, um uns offiziell abzumelden. Mittlerweile kann man sich die Termine telefonisch über die Behördennummer 115 geben lassen oder sich online durch klicken. Der Vorteil daran ist, dass man nicht mehr stundenlang auf dem Amt warten muss bis man dann endlich mal an die Reihe kommt. Nein, man ist dann ein richtiger Amt-VIP aka Terminkunde. 

Das Problem ist nur, die Termine in den umliegenden Ämtern sind immer monatelang ausgebucht. Im Falle einer wie bei uns relativ spontanen Abmeldung, die dann auch noch genau 7 Tage vor offizieller Abreise sein muss, standen wir da vor einer kleinen Herausforderung.

Diese Abmeldebescheinigung brauchen wir, um unser gesamtes Hab-und Gut - Und das ist nicht wenig, wenn man an unsere 130 Quadratmeter Wohnung denkt - problemlos durch den Zoll zu schleusen. Also hab ich halt einfach mal drei Termine auf Vorrat gebucht, falls es Probleme geben sollte oder von unserer Seite her was dazwischen kommt.

Mein erster Termin war gestern, in Charlottenburg, aber eigentlich schon fast im Grunewald. Mit dem Auto waren das rund 40 Minuten, mit Baustellen und innerstädtischem Stau. Mit dabei hatte ich natürlich die (un)benötigten Unterlagen (Pässe, Meldebescheinigung, Mietvertrag Zürich, Geburtsurkunden der Kinder und Kündigungsbestätigung unserer Berliner Wohnung) und meinen Ehemann. 

Der Typ bei der Information händigte uns vier Dokumente aus, die ich ausfüllen sollte. Pro Peson eins. Unser Termin war auf 13:00 Uhr angesagt. Die Vorgangsnummer sollte dann aufleuchten mit der Info, in welches Zimmer man sich begeben muss. Um 13:10 klingelte mein Handy. Ich ging ran, weil ich die Nummer nicht kannte. (Normalerweise gehe ich nicht ran, wenn ich die Nummer nicht kenne, aber ich hab grad ein neues Telefon und viele Nummern nicht mehr eingespeichert...)

Die Schule! Maus wäre gestürzt und man wisse nicht, ob sie sofort den Notarzt rufen sollen oder ob wir sie abholen könnten - Was ist das für eine Frage an eine Mutter, die gerade in einem der gefühlt weit entferntesten Bürgerämtern sitzt, deren Vorgangsnummer grad auf dem Monitor aufblinkt - Zimmer Nr. 7 - und überhaupt, wenn ein Notfall ist, ruft man doch einfach den Arzt, oder nicht?

Was für ein Timing! Ich fragte, was denn passiert sei und die Erzieherin meinte, Maus sei von einem Stein gestürzt und nun wisse sie nicht, ob der Fuss gebrochen sei. Sie könne nicht mehr stehen. Ok, klingt nicht gut. Ich sagte, ich rufe gleich zurück. Mein Mann schaute schon so alarmiert, weil er mein Augenrollen nur allzu gut kannte, wenn was nicht bündig ist.

Mit einem Satz übermittelte ich ihm die Info und fragte gleichzeitig nochmals den Typen mit den Formularen, ob ich denn auch ohne meinen Mann eine Abmeldung machen könne. Der fragte, ob wir verheiratet seien. Ja, sind wir, ok. Mein Mann warf sich in seinen Superman Umhang und brauste davon. Destination:  Die Schule. Ich ging schnurstracks und im letzten Moment ins Zimmer Nr. 7.

Die Frau war super nett und entspannt. Von meinen Unterlagen benötigte sie nur die Pässe. Ich unterschrieb unsere Abmeldung, sah noch, dass die Nationalität von Mips offenbar noch immer nicht geklärt ist, was hier aber keine Rolle spielt und war in weniger wie 10 Minuten fertig. Die Abmeldebestätigung wurde zwei Mal ausgedruckt und mir ausgehändigt. Adieu. Auf Nimmerwiedersehen.

Auf dem Weg nach draussen, kam ich noch an einer Buchspende Ecke vorbei. Bücher gegen Spende. Ok, wieso nicht. Ich suchte mir fünf Bücher aus (ein paar witzig klingende Titel wie Vollidiot und Hummel Dumm von Tommy Jaud, ein Buch über Vulkane, ein altes Erich Kästner Buch und eines mit Geschichten über die Mitfahrzentrale) und räumte die in meinen Rucksack ein.

Mist! Ganz unten in der Ecke war eine Butter. Die hatte ich am Morgen noch gekauft für Mipsis Abschied. Jetzt hätte sie noch die perfekte Konsistenz für meinen geplanten Schokokuchen. Aber so bald ich nach draussen in die Sonne gehen würde, wäre der Spass vorbei.

Da stand ich also. Draussen im Niemandsland (für mich zumindest), mit einer Butter in der einen und dem iPhone in der anderen Hand und las eine SMS von meinem Mann, die lautete: Alles gut, Fehlalarm. Maus geht's gut. Sie hat bloss zwei aufgeschürfte Knie. 

Uff. Gut, also kein Krankenhaus. Zum Glück. Also alles im Butter.