Die Einschulungsfeier. Ein Rückblick.

Nächste Woche beginnt Maus mit der zweiten Klasse. In Zürich. Sie wird die Neue in der Klasse sein. Das Mädchen aus Berlin.

Schon wieder ein Neuanfang, dabei ist es doch erst ein Jahr her, seit sie den Sprung ins kalte Wasser geschafft hat. Aber immerhin ist sie ja jetzt in ihrer Heimat. Also sollte es nicht so schwierig sein. Ich wünsche ihr auf jeden Fall einen super leichten Start und einen guten Quereintstieg.

Letztes Jahr wurde sie zusammen mit Tausenden von anderen Kindern in Berlin eingeschult. Ein riesen Event, den ich total unterschätzt hatte.

Ich wusste nicht, dass es so ein so grosser Deal ist mit der Einschulung. Aber zwei Berliner Freundinnen, machten mir klar, dass es DER TAG ist, an den man sich nebst Hochzeitstag am meisten zurück erinnern würde.

Und zwei der wichtigsten Dinge, die diesen Tag unvergesslich machen sollten, war die Schultüte und eben die Einschulungsfeier. Ich hatte weder von einem noch vom anderen eine Ahnung. Meine Erinnerung an den ersten Schultag besteht aus einem Foto, wie ich mit meinem Pumuckel Thek (Schulranzen) unter der Haustüre stehe.

Der Druck war also enorm und so verstand ich dann auch allmählich, wieso sich eine so grosse Hektik breit gemacht hatte. Die Schultütenfrage an sich war schon schwierig zu lösen, aber dann kam noch das passende Kleid (geschweige denn die Outfits für den Rest der Familie), die Geschwister Tüte (Ja, auch das noch!), die Frage, ob man nun die Grosseltern einfliegen lassen soll oder eher nicht, ob man nur mit den Freunden was macht (aber die waren die meisten ja selbst im Einschulungswahn) oder ob man das Ganze einfach pragmatisch, schweizerisch kurz und knapp über die Bühne bringt (was eigentlich eher was Deutsches ist; das pragmatisch sein).

Ich war also mitten drin, in diesem Rausch der Vorbereitungen und in der Aufregung, die der erste Schultag und eben die Einschulungsfeier mit sich bringen sollte. Waaaaaahhhhh!

Als erstes musste ich mit mir selber klären, ob ich nun eine Schultüte bestelle oder eine selbst mache. Eigentlich war ich mir sicher, ich würde mir eine bei Tinyday bestellen, weil die genau meinem Geschmack entsprach, dann wiederum meldete sich mein Ego von wegen, selbstgemacht ist doch viel persönlicher und besser und überhaupt. Meine Freundin C. liess eine Schultüte aus Stoff anfertigen, auf der der Name ihrer Tochter drauf gestickt war und bezahlte ein halbes Vermögen dafür.

Ich weiss jetzt noch, wir sassen im Auto an einem sauheissen Sommertag und ich redete auf meinen Mann ein vonwegen Schultüte selber machen oder doch lieber bestellen. Wir einigten uns auf kaufen. Dann fuhren wir an einer toten, aufgedunsenen Wildsau vorbei, die wie ein Medizinball mit vier Füssen am Landstrassenrand lag und ich entschied mich doch für's selber machen (die Sau konnte nichts dafür, war aber irgendwie der Auslöser). Mein Mann total sauer, konnte sich aber nicht wehren, weil er am Steuer sass. Und ich wusste, ich musste sie jetzt auf jeden Fall selbst machen. Beim toten Schwein.

Hier geht's übrigens zur Anleitung (kleiner Einschub, sorry).

Was passiert denn eigentlich an einer Einschulungsfeier, fragte ich meine Freundin Anna, die bereits etliche Feiern hinter sich hatte.

Sie erklärte mir, dass alle 1. Klässler zusammen mit ihren Eltern und Familienmitgliedern nach Klasse gestaffelt mit Schulranzen und Schultüte in die Schule gehen würden. Dort würden sie in der Aula mit musikalischen Untermalungen, Theateraufführungen und Blumen empfangen.

Ok, zum Glück sagte sie mir, dass Maus ihren Schulranzen mit dabei haben muss, da wäre ich jetzt auch nicht auf die Idee gekommen. (Diese Info kam auch nicht mit der Einladung).

Der Tag von Mausis Einschulung war gekommen!

Bei uns war es dann so, dass wir zu viert, geputzt und gestriegelt, als wären wir an eine Hochzeit eingeladen, mit Geschwister-Schultüte für Mips (was sich als absolute Rettung erwies) am ersten  heissen September-Samstag zur Schule spazierten. Ich war hochemotional und wusste genau, dass es nun nur noch einen Mücken Pups brauchte bis ich sofort losheulen würde.

Der Schulhof war feierlich geschmückt, überall hingen selbst gebastelte bunte Schultüten, traubenweise Eltern und Familien, mit riesigen Foto-und Videokameras, Uromas in Rollstühlen, Papas, Opas, Onkels in Anzügen und Kravatten, stolze Muttis und Omis in Gewändern und wehenden Sommerkleidern.

Die Schultüten und Outfits der frisch gebackenen ABC-Schützen schienen sich gegenseitig zu übertreffen und die von Zahnlücken gespickten Münder strahlten über's ganze Gesicht.

Und erst jetzt verstand ich, wovon alle gesprochen hatten. Das war wirklich ein Fest!

Wir begaben uns in die Aula (nachdem wir die Schultüte ins zukünftige Schulzimmer gebracht hatten; wir hatten sie noch mit Papier ausgestopft, weil wir das Gefühl hatten, es sieht nach zu wenig aus; total übertrieben). Mausis Klasse 1A und noch eine weitere Klasse 1E wurden zusammen begrüsst. Sie durften alle in den vordersten Reihen sitzen. Wir Eltern hinten. Die Teilnehmerzahl war auf vier Personen pro Familie beschränkt, an das sich keiner hielt. Die Aula war zum bersten voll und mir lief der Schweiss in Bächen den Rücken hinunter. 

Die Drittklässler sangen ein Lied für die Neuankömmlinge. Jetzt konnte ich meine Tränen nicht mehr zurück halten. Es lief. Dann wurde noch ein Theater aufgeführt, meine Rettung. Tränenstop. Die Taschentücher waren alle. Mips knabberte fröhlich an ihren Nüssen und Weintrauben aus ihrer Schultüte und bekam die geballte Ladung an Emotionen gar nicht mit.

Dann war's soweit unsere Maus wurde aufgerufen, durfte durch das Blumentor hindurch gehen und am Glöckchen läuten. Willkommen an der Heinrich-Roller-Schule! Wow, meine Tränen flossen wieder.

Die kleine grosse Maus stand strahlend auf der Bühne, am Rücken ihren überdimensionalen Schildkröten Panzer aka Schulranzen.

Als alle aufgerufen worden sind und die gesamte Klasse oben stand, verschwanden sie wieder alle zusammen und gingen zusammen mit der Lehrerin ins Schulzimmer, wo sie ihre Schultüten in Empfang nehmen durften. Zusammen mit einer Sonnenblume.

Wir durften dann Maus im anderen Schulhof unten in die Arme schliessen. Wow. Dann gab's Fotos, Fotos, Fotos. Etwas Kuchen und Kaffee (Die Rettung für meine blank gelegten Nerven) und dann ging's nach Hause. Outfitwechsel.

Die meisten hatten dann im Anschluss irgendwo ein Restaurant reserviert, wo man mit Familie und Verwandtschaft speiste. Wir fuhren zu Anna in den Kleingarten und feierten dort Mausis Einschulung mit Kuchen und allem was dazu gehört. Natürlich durfte sie hier auch endlich endlich ihre Tüte auspacken. Es war perfekt!

Wir grillten, packten Geschenke aus, die Kinder plantschten im Schwimmbecken und wir stiessen mit Wein auf unsere grosse Tochter an. Verrückt, jetzt ist sie schon ein Schulkind und am Montag geht's dann erst richtig los. 

Auch ein Jahr später werde ich emotional, wenn ich daran zurück denke und ich bin total dankbar, durfte ich diese Tradition miterleben und für Maus (und unserer Familie) damit eine ganz besondere Erinnerung schaffen.

Ich habe mir geschworen, dass auch Mips eine Schultüte bekommen wird. Und wenn's dann soweit ist, darf dann auch die Familie mit uns feiern! Soviel ist klar. Aber bis dahin dauert's ja noch ein paar Jahre und wer weiss, vielleicht ist bis dahin auch in der Schweiz die Schultüte als Teil des Einschulungsrituals  angekommen.

Wir sind ja bekanntlich nicht die schnellsten, wir Schweizer.