Willkommen im Schlaraffenland

Nun sind wir seit drei Wochen zurück in unserer alten Wohnung in Zürich nachdem wir exakt drei Jahre mitten in Berlin gewohnt haben. Es fühlt sich gut an.

Besser als gedacht. Freundlicher als erwartet und positiver als ausgemalt.

Für mich zumindest. Mein Mann war sowieso selig, dass wir wieder zuhause sind. Endlich hat er seine Sicht auf die Berge wieder und weiss, dass er nur etwa eine Stunde fahren muss, um diese zu besteigen oder von ihnen runter zu kurven. In der ersten Woche haben wir jeden Abend im Garten gegrillt. Mit Holzkohle versteht sich. (Er vermisste in Berlin das öffentlich Feuer machen. Dies als kleine Randbemerkung).

Wir sind zurück in unserem alten Leben, das eigentlich neu ist. Abgesehen von ein paar Möbelstücken (total untertrieben, da wir ja eigentlich alles hin- und her gezügelt haben) fühlt es sich anders an. Unsere Konstellation ist anders. Mips ist dabei. Unser Deutsches Kind, das eigentlich gar nicht Deutsch ist. Aber halt nur Hochdeutsch spricht, weil sie nichts anderes kennt. Sie war ja in Berlin jeden Tag in der Kita. Sie baut mittlerweile aber schon sehr viele Schweizerdeutsche Wörter ein, was ich irgendwie schade finde. Aber der Sprach-Mix, wiederum ist lustig. 

Für Maus war es hart. Das Abschiednehmen von ihrer besten Freundin, ihrer Klasse, ihrer gewohnten Umgebung, ihren Spielplätzen, Pflastersteinen, Eisläden, Ritualen und Hobbies. Aber auch sie taut langsam auf und geniesst die Vorteile unseres Gartens und hat heute mit der Schule gestartet! (Bald mehr dazu).

Unsere Einrichtung (abgesehen von allem, was nach wie vor in Kartons steckt) ist ein guter Mix aus Zürich und Berlin. Und das ist schön. Berlin wird immer ein wichtiger Teil für uns sein. Nicht nur ein Lebensabschnitt, der uns alle geprägt hat. Erfahrungen, die uns weiter gebracht haben und Erinnerungen, die uns keiner nehmen kann. Nein, ein Teil unseres Herzens ist in Berlin. Und ich hoffe, dass dies auch bei den Kindern so bleibt. Bei mir ist es auf jeden Fall so und bei meinem Mann auch.

Aber nun sind wir zuhause. Und es fühlt sich richtig an.

Es ist eine andere Energie. Wir schwimmen nicht gegen den Fluss, wir schwimmen mit ihm und das ist zur Abwechslung mal gut so. Es darf langsam aber sicher etwas Ruhe in unser Leben einkehren. Langweilig wird es deswegen nicht.

Mein Mann ist erstaunt, dass ich so viel schwärme, so viele Dinge positiv werte und anders schätze, wie früher. Und ja, er hat Recht. Ich bin wahnsinnig dankbar für diese Berlinerzeit, denn nun weiss ich, was es heisst, dieses unsägliche Privileg zu haben, in der Schweiz leben zu können. (Ist das ein Back-to-Switzerland-Flash, das dann durch baldiges Fernweh wieder vertrieben wird...? I’ll keep you posted. Für den Moment ist es auf jeden Fall so.)

Willkommen im Schlaraffenland!

Ich spaziere durch die Strasse und werde von fremden Leuten gegrüsst. Alte Leute bleiben stehen, lächeln uns an und reden ein wenig mit uns. Der Kassierer im Denner steht auf und holt eine Praline für Klein-Mips weil er sie so niedlich findet. Die anderen Leute stehen geduldig an und strahlen Verständnis aus. Alles ist sauber und gepflegt, weit und breit keine Hundescheisse. Wenn sich ein Hund irgendwo veräussert, dann wird das sofort mit einer Tüte entfernt und in den nächsten Robidog gesteckt. Es liegt kein Müll auf der Strasse, keine Glasscherben. Pflanzen und Blumenerde bleiben über Nacht vor den Geschäften. Sie werden nicht geklaut!

Und ja, es ist teuer, wenn man einkaufen geht, aber das Gemüse und die Lebensmittel schmecken nach dem, was sie sind. Sie haben Geschmack und sind liebevoll präsentiert. Nichts von wegen halbverfault oder angeschlagen. Die Kinder sagen Grüezi und Adieu und reichen die Hand. Wir kriegen sofort einen Platz beim Kinderarzt unserer Wahl und müssen uns nicht durch sämtliche Listen telefonieren. Es gibt da sogar eine Nespresso Maschine und ein Aquarium mit Fischen drin.

Bei der Kita dasselbe. Keine Warteliste. Acht Kinder auf drei Erzieher. In Berlin waren es über zwanzig Kinder mit gleich vielen Erziehern (das ist keine Wertung, nur ein Fakt). Die Kinder dürfen hier mitkochen und mitbestimmen, was sie machen wollen. (Abstimmung mit Steinchen, die sie auf die Bilder legen dürfen mit den Dingen, die sie machen möchten...).

In der Schule steht eine liebevoll beschriftete Kiste bereit, mit dem Namen von Maus. Wir müssen keine Schulbücher kaufen, kein Schulmaterial, kein Zeichnungsmaterial. Alles ist schon da. Wir brauchen uns nicht zu kümmern. Die Nachbarn geben uns ohne zu zögern ihr Passwort fürs Internet. Wir werden grosszügig an Parties und Abendessen eingeladen. Anmeldungen und Anträge bei Ämtern werden innerhalb einer Woche bearbeitet.

Wir sind in einer heilen Welt. Die Natur ist uns wieder viel näher. Wir haben alleine in den letzten drei Wochen mehr Tiere gesehen, als im letzten Jahr in Berlin. Nacktschnecken, Rehe, Füchse, Blindschleichen, Katzen, Schmetterlinge, die unterschiedlichsten Vögel, wie Schwäne, Enten und Rotkehlchen.

Der sogenannte Re-Entry-Schock bleibt also weitgehend aus. Hoffen wir, es bleibt so. Ich bin jetzt mal positiv und freue mich ganz einfach darüber. Es darf ja auch einfach mal gut laufen, oder etwa nicht?