30 Tage zuckerfrei. Geschafft!

Es waren verschiedene Gründe, die mich dazu bewogen haben, für 30 Tage bewusst auf Zucker zu verzichten. Dabei möchte ich betonen, dass es nicht nur um den raffinierten Zucker ging. Nein, auch um das Weglassen von Honig, Agavensirup, Ahornsirup, Dörrobst, künstliche Zuckerersatzstoffe und alles, was auf der Verpackung mit "enthält -ose" gekennzeichnet war.

Zum einen litt ich an Schlafstörungen, die mich bis tief in die Nacht wach hielten. Ich lag im Bett, das Gedankenkino führte mir vor Augen, was ich alles noch nicht geschafft habe und wie lange mein to-do Liste eigentlich ist.

Zum anderen war ich mal wieder in diesem "wie soll ich mich denn eigentlich ernähren" Taumel. Die Skihosen waren zu eng und auch die Stunden nach einer Mahlzeit eine Qual. Ich war müde und ausgelaugt und dem klassischen Nachmittagstief verfallen. Am liebsten hätte ich den ganzen Nachmittag geschlafen. 

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Zuckerfreie Ernährung scheint im Trend zu sein. Nicht nur an Schulen wird darauf geachtet, dass die Kinder zuckerfreie Snacks in ihrer Z'Nüni (Vesper) Box dabei haben und dass sie lernen, welches die "schlechten" Lebensmitteln sind, in dem sie sie rot einkreisen, nein auch viele Erwachsene achten mittlerweile viel bewusster darauf, was sie essen und was in den Lebensmitteln steckt, die sie täglich zu sich nehmen.

Bei meinem letzten Berlinbesuch arbeitete meine Freundin Cordelia auf Hochtouren an ihrem neuen Kurs. Jetzt-Zuckerfrei. Da ich bei ihr wohnen durfte, erzählte sie mir so einiges, was sie mit ihren Kursteilnehmern vor hatte. 

Vielleicht waren es die 1000 Fragen an mich selbst, die mich, mal mehr, mal weniger dazu bewegten, mehr an mich und an mein Wohl zu denken, vielleicht war es aber auch wirklich das Schlafen und das Unwohlsein.

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Ich entschied mich dazu, 30 Tage ganz bewusst auf Zucker zu verzichten, um meinem inneren Schweinehund und auch meinen jahrelangen Essgewohnheiten auf die Spur zu kommen. 

 

In dieser Zeit bekam ich jeden Tag eine Mail von Cordelia, in der sie mich motivierte, dran zu bleiben und weiter zu machen. Zudem packte sie nützliche Informationen über Zucker, Filmtipps und Rezepte dazu. 

In der ersten Woche ging es darum, dem Zucker auf die Spur zu kommen. Wo steckt überall Zucker drin? Wie erkenne ich diesen und welche Nahrungsmittel sind ok? In der zweiten Woche sollte ich in mich hinein horchen und mich fragen, wieso brauche ich so viel Süsses und wann und in welchen Situationen hab ich besonders grosse Lust?  

In der dritten Woche sollte ich nochmals gestärkt werden, da es häufig zu Rückfällen kommt. Ich lernte Alternativen zum Zucker kennen. Und in Woche vier ging es um meine Sattelfestigkeit und darum, ein paar Tipps und Tricks für den (fast) zuckerfreien Alltag zu entwickeln.

 

Aber wie ging es mir in diesen 30 Tagen? Was passierte mit mir und was habe ich davon mitgenommen?

 

Woche 1:

Ich bin auf Entzug. Mein Schädel brummt, nach dem Mittagessen möchte ich meinen gewohnten Nachtisch. Ich bin übelst gelaunt und habe keine Geduld. Den inneren Schweinehund jag ich zum Teufel und versuche mich abzulenken. Ich trinke Tee, versuche ein paar Atemübungen zu machen. Zu meinem Übel sind auch noch Winterferien.

Den Nussgipfel auf der Piste oder das Apfelmus zu den Älplermaccaronen lass ich weg. Ich versuche mir einen Überblick zu schaffen, wo um alles in der Welt Zucker drin steckt. Ernüchtert stelle ich fest. Eigentlich fast in jedem Lebensmittel! Frust pur. Ich trampe in Fettnäpfchen. Streiche mir morgens ein Brot mit Marmelade. Die Macht der Gewohnheit lässt grüssen. Beim Abendessen lese ich auf der Verpackung der Tomatensauce. Zucker. Scheisse. Auch hier. In der Rivella blau (die ich die letzten 20 Jahre für die gesunde Variante hielt) steckt auch ne Menge Zucker drin. Bravo. 

Mein Mann denkt, ich bin von allen guten Geistern verlassen. So sauer und motzig kennt er mich nicht mal im PMS Stadium. Er hält mich dennoch davon ab, aufzugeben und mir Schokolade reinzuhauen.

 

Mein Mann möchte mich am liebsten dahin schicken, wo der Zucker wächst.

 

Woche 2:

Es geht besser. Ich komme langsam runter. Habe begriffen, dass ich mich mit Zucker belohne, Zuckerzeugs brauche, wenn ich gestresst oder müde bin und diese Erkenntnis und ein langes Telefonat mit Cordelia hilft. Mein Frühstück besteht nun aus Vollkornbrot und Mandelmus. Beides ohne Zucker. Zudem habe ich mir von Cordelia versichern lassen, dass es ok ist, wenn ich mir etwas Obst gönne. Auch Bananen. Einfach nicht mehr wie eine pro Tag. Ich habe auf Quark und Naturjoghurt umgestellt. Mindestens Halbfett. Das sättigt und der darin enthaltene Zucker baut sich nur langsam ab. Also keine Gefahr vor Hungerrast. 

Die Aufgabe der ersten Woche war es, den Schrank auszuräumen. If it's in your house, it's in your mouth, hiess es im Newsletter. Ja, logo. Also mache ich Ordnung. Ich begrüsse die Vollkorn Fraktion und viel frisches Gemüse. Müde bin ich. Und wie! Aber auch das sei normal. Die Süssigkeiten Lust kommt noch immer in gewissen Situationen, aber nicht mehr so arg, wie in der ersten Woche. Ich spüre, dass ich auf einem guten Weg bin.

 

Woche 3:

Abends mache ich mir nun Möhrchen und Fenchel zum Knabbern bereit. Woahhhh! Wie süss die plötzlich schmecken. Und überhaupt. Meine Geschmacksnerven fangen an, viel sensibler auf süsse Geschmacksrichtungen zu reagieren. Ich habe meinen anfänglichen Bananenkonsum gedrosselt. Ich brauche es nicht mehr so. Und #highfivetomyself. Ich hab es wirklich bis anhin geschafft, raffinierten Zucker (fast) aus meinem Leben fern zu halten. Es sei denn, ich bin ihm mal wieder in die Falle getappt. Habt ihr zum Beispiel gewusst, dass Gemüse Bouillon Zucker enthält? Eben. Und Aceto Balsamico? Ja, eh, oder?

Ich habe plötzlich Lust zu kochen. Gesund zu kochen! Mit frischem Gemüse, Kräutern und Vollkornprodukten. Es fühlt sich gut an und ich kann essen, bis ich satt bin. Es fehlt plötzlich an nichts mehr. 

Übrigens habe ich Nüsse wieder für mich entdeckt. Sie helfen mir beim kleinen Hunger durch den Tag und ich kann sie mit gutem Gewissen knabbern. Für den Notfall habe ich nun immer eine Packung mit dabei.

 

Woche 4:

Ich bin krank. Auch das klassisch für Leute auf Zucker Entzug. Cordelia meint, der Körper entgifte jetzt nochmals volle Kanne. Ich bin genervt und finde, dieser doofe Husten, ist jetzt wirklich absolut unnötig. Und. Alle meine bisherigen Heilmittel gegen Husten enthalten. Ha, ha. Zucker oder Honig! Also muss ich auch hier einen Abstrich machen und habe als Ausnahme auf Hustentropfen umgestellt. Begleitet von heisser Zitrone und ganz viel Ingwer.

Ich huste mich also durch die vierte und letzte zuckerfreie Woche und ziehe es weiterhin durch. An meinem Geburtstag und Tag 30 meiner zuckerfrei Challenge esse ich mein erstes Stück Kuchen. Meine grosse Tochter hat den extra für mich gebacken. Ich konnte also nicht nein sagen. Er schmeckt sehr lecker. Aber. Und das ist das spannendste. Ich habe nicht das Bedürfnis (wie bisher), gleich noch ein Stück reinzuhauen. Ich bin zufrieden mit einem Stück. Hallelujah!

F... Yeah! Frau Jucker für 30 Tage ohne Zucker!

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Ich hatte es geschafft. Und habe mich während vier Wochen darauf sensiblisiert, wie extrem Zucker meinen (unseren) Alltag bestimmt und wie gut es mir tut, diesen weitgehend wegzulassen.

 

Als ich krank im Bett lag, hörte ich mich durch zig Podcasts hindurch. Im einen sprach ein Coach darüber (leider weiss ich nicht mehr, wer's war, weil ich mich fiebrig von Sendung zu Sendung getippt habe), dass er gute Erfahrungen damit gemacht hat, neue Gewohnheiten in einem drei Wochen Rhythmus einzuführen.

Er sagte, dass er so seine ganze Energie nur auf die eine Sache lenken konnte. Also zum Beispiel erst Mal drei Wochen auf die Ernährung achten bis diese umgestellt ist und dann ab Woche vier mit einer neuen Gewohnheit anfangen. Zum Beispiel Sport oder Meditation. 

Da ich wahnsinnig ungeduldig bin und immer alles auf einmal machen und ändern will, hat mir dieser Tipp sehr geholfen und ich werde jetzt in meinem nächsten Schritt eine Sportart suchen, die mir Spass macht und die ich gut in meinen vollgepackten Arbeitsalltag integrieren kann.

Das fast zuckerfreie Leben möchte ich so beibehalten und es wie mit dem Fleischkonsum handhaben, ganz bewusst und gezielt. Ich hoffe, ich krieg das hin.

Wie geht's euch? Würdet ihr es aushalten, 30 Tage auf Zucker zu verzichten oder glaubt ihr, es ist  ein Ding der Unmöglichkeit? Schreibt mir, was ihr denkt. Das interessiert mich.

Dieser Beitrag widerspiegelt meine persönliche Meinung und Erfahrung zu 30 Tage zuckerfrei. Ich wurde dafür nicht bezahlt. Der Kurs wurde mir jedoch kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an Cordelia für Deine Unterstützung!

Weitere Infos zu Kursen in Berlin und online findet ihr bei jetzt-zuckerfrei.